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verfasst im Jahre 2000. Letzte inhaltliche Veränderung 04/04/25

Seit wann leben wir im dritten Jahrtausend?

Das zweitausendste Jahr ist nach dem zweitausendsten Jahr zu Ende. Welches Jahr aber ist das zweitausendste Jahr? Ist es das Jahr 1999 oder das Jahr 2000? Welches Jahr war das erste unserer Zeitrechnung?

Gern wird diskutiert, ob es ein Jahr 0 gebe. Dazu bemüht man oft die Historie, bezeichnet es als Fehler oder Unterschlagung, dass man das erste (!) Jahr nicht Null genannt habe.

Die herumspukende Vorstellung von einem Jahr Null führte u.a..dazu, dass der 2000. Jahrestag des römischen Dichters Horaz ein Jahr zu früh offiziell begangen wurde. (Er ist im Jahre - 8 geboren und wurde 1992 anstatt 1993 gefeiert.) Sigrides Albrecht wies 1993 in der neulateinischen Zeitschrift VOX LATINA 29, 113, p.336 darauf hin mit der nicht zu bestreitenden Feststellung "Annus zeroticus ...non exstat."

Unsere Jahreszählung wurde auf ihr Ausgangsjahr später rückdatiert. Ziemlich früh entstanden an verschiedenen Orten erste christliche Zeitrechnungen, die zum Teil heute noch nebeneinander gebräuchlich sind. Sie hatten unterschiedliche Ausgangspunkte, entspechend dem jeweils angenommenen Jahr der Geburt Christi. Ein Jahr Null kann den Ärenschöpfern schon deshalb nicht vorgeschwebt haben, weil die Null erst durch Fibonacci Fibonacci(Leonardo von Pisa 1180 - um 1250) von den Arabern, die sie aus Indien hatten, übernommen worden ist und sich sehr lange in der Praxis nicht durchgesetzt hat - aus alter schlechter Gewohnheit und weil sie ihrer Herkunft wegen als Teufelswerk galt.

Dennoch werfen Historiker, die von der Mathematik nicht viel mehr als das Schreiben von Jahrezahlen mitbekommen haben, den uneinigen Schöpfern christlicher Zeitrechnungen vor, das Jahr Null ausgelassen bzw. übersprungen zu haben. Das ist aber kein historischer Fehler und nicht nur Unvermögen, mit einer noch nicht bekannten Zahl Null zu operieren, sondern eine mathematisch-metrologische Notwendigkeit. Die Zahlengerade kennt keine Nullstrecke.

Sehen Sie sich eine beliebige Meßskala an, sei es an einem Thermometer, an einem Zollstock, einem Lineal oder einem Bandmaß! Die Skala hat einen Nullpunkt, darauf folgen in gleichen Abständen die Marken 1, 2, 3, ... , 100, ..., 1000, ..., 2000 - wenn das Längenmaß so lang ist. In der Strecke zwischen 0 und 1 liegt der erste Zentimeter. 2000 Zentimeter sind nach der 2000. Strecke, nach 2000 cm, erreicht. Eine Strecke 0 gibt es natürlich nicht. Auf einer Thermometerskala, die auch negative Marken kennt, gibt es nicht etwa auch noch eine Strecke -0. Gäbe es eine positive Nullstrecke, müsste man, schon aus Gründen der Symmetrie auch eine negative Nullstrecke fordern. Zwischen +1° und -1° lägen dann nicht 2°, sondern 4° Temperaturunterschied. Brrr ! Was immer man misst ist egal. Für Jahrtausende und Jahrhunderte gilt das Gleiche.

Oder binden Sie nummerierte Seiten zusammen zu schmalen Bändchen mit je 100 Seiten. Das erste geht von Seite 1 bis 100, klar, das zweite reicht von 101 bis 200 - oder doch nur bis 199 ? Könnten Sie dafür einen vernünftigen Grund angeben? Auch die Jahre werden wie Buchseiten oder alle anderen abzählbaren Dinge als "Stücke" gezählt.

Bei den Jahren werden nicht die Marken dazwischen (den Zwischenräumen zwischen den Seiten im vorhergehenden Beispiel entsprechend) , sondern die Strecken gezählt. Das Jahr 1 reicht von der Marke 0, der Zeitenwende, bis zur Marke 1, usw. Das 1999. Jahr reicht entsprechend bis zur Marke 1999 und das 2000. Jahr bis zur Marke 2000. Dann beginnt an dieser Marke das neue Jahrtausend. Am 31.12.2000 werden unsere Nachfahren dort angelangt sein.

Etwas Verwirrung bringt das Lebensalter hinein: Wenn einer 70 Jahre alt ist, hat er 70 Jahre hinter sich und steht an der Marke 70. Er beginnt sein 71. Lebensjahr, wenn er danach in die 71. Strecke eintritt. Man sagt aber nach der letzten Marke, die er passiert hat, er sei 70 Jahre (alt [geworden]). Hier zählt man die passierten Marken, nicht die Strecken. Denn wenn er 70 ist, befindet er sich in seiner Jahresstrecke 71.

Während diese chronometrischen Feststellungen eindeutig sind, ist die Frage, wann wir die Jahrtausendwende zu feiern haben, unentscheidbar und belanglos. Wir wissen nicht, wann Jesus von Nazareth, über den so gut wie nichts Historisches überliefert ist, wirklich geboren ist. Und wir können nicht einmal sicher sein, dass das Kontinuum der Jahreszählung durchgehalten worden ist. Es können Jahre verlorengegangen oder Verdoppelungen eingeschoben worden sein. Es sei nur an die sensationellen Behauptungen erinnert, die H. Illig zur Zeit in dieser Hinsicht über das Mittelalter verbreitet.

Das einzig Auffallende ist, daß von nun ab unsere Jahreszahlen mit einer Zwei beginnen, nachdem etwa 1000 Jahre vorn eine Eins stand. Das ist der eigentliche Anlaß zum Feiern, und da macht es auch nichts, daß die Jahrtausendwende, eigentlich ein Jahr später wäre, - kontinuierliche Zählung vorausgesetzt. (Dessen wird sich die Gastronomie im Laufe des Jahres 2000 entsinnen, um einen erneuten Vorwand zu finden, die Leute ihr Geld erneut mit vollen Händen für die nachgeholte "richtige" Jahrtausendwende ausgeben zu lassen.

Man sollte ihnen nachgeben und die Gelegenheit wahrnehmen, "beide" Jahrtausendwenden zu feiern! Wie wenige Menschen kommen in den "Genuß", (auch nur) eine zu erleben! Wie lange ist es her, daß es Menschen "erleben" konnten! Wann werden sie es wieder erleben? In rund 1000 Jahren. Über 30 Generationen werden es allen noch so wahnwitzigen Erfindungen zum Trotz nicht herbeizwingen können.

Die vielen nicht bewußte, von den anderen zum Teil gegensätzlich beantwortete Frage, wann denn nun eigentlich die Jahrtausendwende sei, ist eine andere Art von "Jahr 2000- Problem", die glücklicherweise allein übrig geblieben ist, nachdem das andere, "eigentliche" Y2K, wie eine durch Unkenntnis, Vorsicht und merkantile Interessen aufgeblasene Seifenblase glücklicherweise am 1. Januar 2000 geplatzt ist.

Resumo en Esperanto: Jarojn oni mezuras kvazaü per mezurilo. Fino de 2000 unuoj estas post la 2000a unuo kaj ne antaü ghi.

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