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Die Geburtenjahrgänge 54 und 28

Zur Zeit wird ein großes Geräusch um den Jahrgang 1964 gemacht, dessen Angehörige (- im Südwesten nenni man sie Jahrgänger und Jahrgängerinen, lernt man im Duden -) in diesem Jahre 2014 ihren 50. Geburtstag feiern. Dieser inszenierte Rummel hat sich einen ungünstigen Gegenstand gesucht. Denn dieser Jahrgang wird als unsentimental und pragmatisch,realistisch, sachlich, unverträumit geschildert, der sich nichts aus vielem Getue macht , wo sich jeder um sein eigenes Vorankommen kümmert, darann mehr als an utopischer Weltverbesserung interessiert, und noch der überkommenen Ordnung, fast der Adenauerschen, verbunden. Von Reporterm hoffnungsvoll nach ihren speziellen Eigenschaften befragt, negieren sie ihre Besonderheit. loben und feiern sich nicht. Pech! Man hätte es sich denken können.
Gibt es überhaupt solch eine generationsspezifische Denk- und Fühlweise? Zu allen Orten und Zeiten werden die verschiedensten Menschen geboren. Das Herkunftsland, die herrschende Ideologie (auch Religion) mögen sich darüberlagen in Richtung auf eine gewisse prägende Charakteristik. Aber ebenso gibt es sich wandelnde zeitliche Einflüsse. Auf große Zeiträume bezogen, wird sie niemand bezweifeln. Generationen wird man vielleicht als die kleinste Wirkeinheit vermuten. Aber Geburtsjahrgönge? Werden die 78er ganz anders als die 79er sein, und das über lange Zeit, ja lebenslang? Zumal die Prägungen nicht immer zur gleichen Lebenszeit erfolgen.
Wenn es sich aber um völlig aus dem Rahmen fallende, einmalige Jahre handelt, sieht das etwas anders aus. Auch hier wird man es nicht genau auf einen Jahrgang wie bei der Weinqualität beschränken können. Das, was ich von meinem Jahrgang 1928 behaupte, wird auf die etwa zwischen 1927 bia 1930 Geborenen zutreffen. Meine Altersgenossen ließen und lassen - obwohl mit der Zeit manches verwächst - überzufällig eine bestimmte Art und Haltung erkennen.
Die äußeren Umstände, historisch, politisch, im Zusammenleben mit den anderen, dem gleichen Erleben ausgesetzt, waren für uns im Jugendalter ganz und gar anders als vor- und nachher. Es war Krieg, der sich nicht nur fern an der Front abspielte, mit allen Gefahren und Einschränkungen und meist ungeliebten Pflichten. Die sichere Niederlage zeichnete sich ab, wenn man das auch nie aussprechen durfte, so man am Leben bleiben wollte, zusätzlich bedroht von den eigenen Aufpassern und Antreibern. Das Ende wurde mit Angst, Hoffnung oder Verzweifelung erwartet. Bei mir war es die Hoffnung auf das Verschwinden der Naziherrschaft und auf das gerade noch nicht Eingezogenwerden. Aber was statt dessen kam für Deutschland und für mich persönlich, war höchst fraglich und gaukelte keine rosigen Aussichten vor. Diese widersprüchige Gemengelage, eine kritische und skeptische Erwartung mischte sich mit Unverführbarkeit. Wir fielen nicht mehr leicht auf Versprechungen herein, Hohn dämmte Verführbarkeit. Viele Jahre später überraschte mch die Naivität und Gefolgstreue der Jugend, die Personen und Ideen schwärmerisch bis hysterisch anhingen, auch wenn das Idol nur ein heute längst vergessener Singer oder Filmstar war, das hoffnungsfreudige Hineinfallen auf alles Mögliche. Wir, zumindest die Antifaschisten, ließen uns nicht im Nihilismus hängen, sondern wurden von einer mächtigen Aufbaustimmung mit zugehörigem Gemeinschaftsgeist gepackt, sahen die Chance auf eine bessere Welt, die um so erreichbarer erschien, je schlimmer das vergagenene Leben war.
Das vernünftige Zupacken, Kritik, Illusionslosigkeit hatten und haben wir wohl mutatis mutandis mit den 64ern gemein. Die 50jährigen können noch lange über ihre mögliche Besonderheit nachdenken, während wir, die 36 Jahre Älteren. bald nicht mehr da sind. Und mit uns wird die Kenntnis unserer ziemlich sicheren Besonderheit und die Erinnerung daran verschwinden.
Deshalb sollte das schnell noch gesagt werden.

14/02/19