Wenn man sich ein wenig mit Heraldik befasst, kommt man früher oder später auf die Idee, sich ein eigenes Wappen zurechtzumachen, eine Art bürgerliches Familienwappen. Vor Jahren kam mir der Einfall zu dem nebenstehenden Entwurf. Die Blasionierung (Wappenbeschreibung) könnte etwa lauten: " In Rot eine goldene linke obere Eckspitze " (In der Heraldik sind links und rechts vertauscht wie für den Schildträger, der hinter dem Wappenschild steht und den Betrachter ansieht. Gelb sieht das Gold nur im Druck aus.) Das Wappen ist gewollt einfach, nicht überladen, mit zwei Grenzstrichen zwischen den Tinkturen Rot und Gold herstellbar. Das wird schon aus der kurzen Wappenbeschreibung deutlich. Die Fachleute sprechen in diesem Falle lediglich getrennter Farben von einem Heroldsbild im Unterschied zu einer "gemeinen Figur", irgendeiner bildlichen Darstellung. Warum diese Wahl? Das aufwärts zeigende, sich perspektivisch verjüngende Gebilde soll den Namen Ruff in Berliner mundartlicher Bedeutung ("nach oben") symbolisieren. Jemand fragte mich nach der Farbwahl. Gelb wählte ich wohl, weil es hell, licht und sonnig ist. Es ist eine meiner liebsten Farben, auch bei Blüten. Hinzu kommt, dass ich als Rotgrün-Schwacher es nie verkenne. Warum aber Rot? Blau hätte für meine Anomalie besser gepaßt. Blau und Gelb sind über jede Verwechslung erhaben. Aber es wäre ein FDP-Wappen geworden; allerdings hätte der Pfeil dann eher abwärts zeigen müssen. Grün ist zwar die Farbe der Natur. Aber ich mag Grün als Farbe nicht übermäßig. Politisch passt es auch nicht recht. Aber rot? Ich habe mir nichts dabei gedacht. So sollte es vielleicht sein, nicht nur überlegt konstruiert. Politisch paßt es allerdings auch nicht. (Was überhaupt?) Rot ist die Farbe schlechthin und prima vista. Nicht umsonst heißt rot bei den Spaniern colorado. Vielleicht griff ich unbewußt wie ein Kind nach dem Prächtigsten. Mozart, der außerhalb seiner Musik ein kindliches Gemüt hatte, sehnte sich nach einem roten Rock. Und Rot und Gold haben sich aus der ursprünglichen Gleichwertigkeit der Tinkturen zu den heraldischen Vorzugsfarben entwickelt. Die Heraldik kennt nur 4(-5) Farben: Rot, Grün, Blau, Schwarz (und Purpur). Purpur würde als Komplememtärfarbe gut zu Gelb passen. Und ich mag die Töne um Lila. Aber es ist in Deutschland fast so unheraldisch wie Braun oder Aschgrau. Wenn es so heißt, dann erscheint es karminrot. Vielleicht aber gebe ich in Zukunft doch einen Schuß Blau hinein. Gelb ist eigentlich Gold und Weiß ist Silber. Nur stellt es sich im Bilde schlecht her. Grundsätzlich sollte nur Farbe an Metall grenzen. Dagegen wurde in neuerer Zeit oft verstoßen. Ich habe es, ohne viel daran zu denken, befolgt. Ich werde das Wappen vielleicht ab und zu auf einen Briefkopf setzen und natürlich im Bedarfsfall auf meine Kutschenschläge und die Rolls-Royce-Türen malen lassen. Nach dem Originaltext vom 20.1.96)

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