Gluas: Griechisch, Latein und andere Sprachen

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Das h im Griechischen

13/10/04, neu gestaltet 14/12/14

Die Kurzbezeichnung dieses Artikels heißt hg und ist bei Zitaten den Absatznummern voranzustellen.

Dialektik: Es gibt kein h im Griechischen, Es gibt ein h im Griechischen.
Griechisch hat keinen Buchstaben für h, aber es vermag h zu bezeichnen.
h darf im Griechischen nur an bestimmten Stellen stehen

hg01) In orientalischen Sprachen, im Arabischen und Hebräischen, sind die Kehl- und Rachenlaute, neben dem rauen h (het) auch das h, ausgeprägte, viel gebrauchte und kräftig genutzte Buchstaben, die sich nicht versteckt halten. Im Latein und später seinen Töchtern, den romanischen Sprachen, tritt das h dagegen nur schwach in Erscheinung und ist wenig hörbar bzw. wird überhaupt nicht mehr gesprochen. Merkwürdig erscheint es eher, dass sich das h in diesen Sprachen als stummes Schriftzeichen so lange gehalten hat. Hierüber mehr in Exkurs h1 hg22).

... 02) Als die ersten griechischen Alphabete aus der phönizischen Buchstabenschrift entstanden, erwies sich die Nichtbezeichnung der Vokale durch eigene Buchstaben, wie sie heute noch in der arabischen und hebräischen Schrift besteht, als ein Mangel für das vokalfreudige Griechisch. Es lag nahe, Zeichen für Konsonanten , die im Griechischen nicht vorkommen, zur Bezeichnung der Vokale zu verwenden. Dafür wurden 8 Zeichen gebraucht. Es musste u.a. auch das h und das h (Chet) anderweitig bezeichnet werden, da frühe Schriftzeichen für h für Eta verwendet wurde. Die gefundene Hilfslösung war dadurch begünstigt, dass außer zur Bezeichnung der behauchten (aspirierten) Konsonanten kh, ph, rh und th das h nur im vokalischen Anlaut gesprochen wurde. Für th wurde wie für Epsilon, Eta. Jota und Omikron ein freiwerdender Buchstabe benutzt, für Chi und Phi wurden wie für Psi und Omega neue Zeichen eingeführt.
03) Das h vor den anlautenden Vokalen (und über jedemr im Anlaut behauchte r. Siehe amm Ende des Beitrags!) wurde ersetzt durch ein über diesen Buchstaben stehendes Zeichen in Form eines nach hinten offenes Häkchens bzw, eines kleinen nach hinten offenen Halbkreises, Er trägt den lat. Namen Spiritus asper, rauer Hauch. und wird h gesprochen. Über einem nicht behauchten anlautenden Vokale steht ein spiegelbildlicher Haken, ein nach vorne geöffneter kleiner Halbkreis. Er heißt Spiritus lenis linder Hauch und ist stumm, wird nicht gesprochen. Einer von beiden muss über jedem anlautenden Vokal oder Diphthong stehen. (Der Plural von Spiritus heißt auch Spiritus, aber mit langem u! - Die griechischen Bezeichnungen dasý pneuma für den rauen Hauch und psilòn pneuma für den linden Hauch werden heute nie gebraucht) Neben den Akzenten verleihen diese kleinen Zeichen griechischen Texten ihr bezeichnendes Aussehen:
04)
Textprobe
Die von mir benutzte, für Computerschrift geeignete Translatation finden Sie in einf15): Kê:ryx ´engýthen ´ê:lthe phéro:n rhábdon metà chersín, Tyroglýphou huiòs megalé:toros ´Embasíchytros, ´angéllo:n polémoio kakè:n phátin, ´eîpé te toîa :(Über Herkunft und Bedeutung dieses Satzes erfahren Neugierige etwas im Exkurs h2.) An den 23 Wörtern sehen Sie 6 spîritûs lênês und 4 spîritûs ásperî, , unter diesen eins über einem Rho <in rhábdon> (Darüber später. ganz zum Schluss des Beitrags. Die anderen diakritischen Zeichen sind die drei Akzente, die es im Griechischen gibt und die den fast gleichnamigen französischen im Aussehen ähneln: Akut, Gravis und Zirkumflex, zum Teil in Kombination mit Spiritûs über anlautendem Vokal und Diphtong, Der Spiritus steht vor Großbuchstaben <in ´Embasíchutros> und im Diphtong über dem zweiten Vokal <in (h)yitrós>
05) Fassen wir zusammen: Der Spiritus asper wird im Altgriechischen h ausgesprochen, der Spiritus lenis nicht nur "gelinde", sondern gar nicht.
Und vergessen Sie nicht: Die Hauchzeichen über einem Vokal können immer nur am Wortanfang stehen. Tritt eine Vorsilbe (Präfix) oder bei einem zusammengesetzten Wort ein Bestimmungswort vor diesen bisherigen Vokal, dann fällt das Hauchzeichen weg und damit das h in der Aussprache. So entstnd aus phílos Freund und híppos Pferd der Vorname Philipp(os). Vom h keine Spur mehr (seit 2500 Jahren!). Kommt aber bei der Zusammensetzung ein p oder ein t vor diesem anfangs behauchten Vokal zu stehen, dann wird das t (Tau) durch behauchtes th (Theta) ersetzt, das p (pi) durch ph (Phi). Wenn bei der Vorsetzung einer Präposition deren Schlussvokal wegfällt, also aus epi ep-, aus meta met- wird , ist dieser Fall gegeben. Und so gibt es das Adjektiv éphippos aus ep(í) und híppos. Das h ist wieder da, aber als behauchtes ph (wie in phílos).
06)(Natürlich können ch, ph und th auch von vornherein in einem Wortstamm stehen: tachýs schnell, ´ichth^ýs Fisch, delph^ís Delfin. Und so gibt es den allbekannten weiblichen Vornamen Xanthíppe, den allerdings nach der Gattin des Sokrates nicht mehr viele Frauen getragen haben werden. Auch hier stammt das h nicht von híippos, sondern der erste Wortbestandteil xanthós, weiblich xanthé gelb, blond, falb hat das th (Theta) mitgebracht (wie der Fisch). Auch das Pferd ist jetzt eine hippé f., eine Stute.
04) Diese bescheidenen Kleinigkeiten einer "toten Sprache" gelten überraschenderweise auch heute noch in der Rechtschreibung nicht nur von alten Vornamen, sondern von vielen Fachwörtern. Unsere Fachausdrücke der modernen Naturwissenschaft und Medizin stammen nicht nur zum größten Teil aus dem Altgriechischen und dem Lateinischen, sie folgen zum Teil auch noch den Gesetzmäßigkeiten dieser alten Sprachen
07)
Fragen Sie einmal einen Arzt, warum man Häm(oglobin) vorn mit h schreibt, die Anämie, den Mangel an Hämoglobin, offensichtlich vom gleichen Stamme (h)äm kommend, ohne h. Er wird vielleicht sagen. "Das ist eben so" oder "Ich habe, weiß Gott, andere Sorgen" und mehr oder weniger unwirsch reagieren. Erklären kann er es Ihnen in den allerwenigsten Fällen. (Aber versuchen Sie lieber nicht, klüger als ihr Arzt zu sein: Meist nimmt er es übel.)
Sie brauchen sich mit den alten griechischen Regeln nicht unbedingt zu befassen, nur mit ihren andauernden Auswirkungen auf die eingedeutschten Fachausdrücke. (Nicht schlecht ist es aber, zu wissen, wie es vor weit über 2000 Jahren dazu gekommen ist.)
Merken Sie sich die 3 Stufen: Häm(oglobin) - Anämie - Methämoglobin (wie hippos - Philipp - ephippos) . Denn im Methämoglobin taucht das h vor dem ä wieder auf, weil dieses nach einem t steht und das t dadurch, wie soeben beschrieben, dadurch zu th wird. Es ist wie Thesis - Antithesis und Synthesis. Hegel würde sich freuen: h fällt weg, wenn es nicht am Wortanfang steht, h kehrt wieder, wenn in einem zusammengesetzen Wort p oder t an der Schnittstelle steht. Das ist alles.
Oder prägen Sie sich die Regel ein: In Fremdwörtern griechischen Ursprungs kommt im Wortinneren ein h nur in den Verbindungen ch, ph, rh imd th vor. (Über das rh wird zum Schluss noch zu reden sein!)
Die folgenden Absätze bieten eine Fülle von Beispielen für 2 oder 3 dieser Stufen, aber keine neuen Regeln, die man verstehen oder sich merken müsste.

08) Ganz ähnlich wie mit Häm verhält es sich mit dem gr. Wort hapsis,das im Griechischen Berührung heißt. In der deutschen Fachsprache kommt es nicht ohne Vorsilbe vor und damit nur als zweiter Bestandteil -(h)apse. Es leitet sich vom Verbum háptein ab. Und dieser Infinitiv ist deutschen heften eng verwandt, und der intransitiven Form haften. Fast jeder kennt heute aus der Schule, dem Studium oder dem Fernsehen die Synapse, eine Verbindungstelle zwischen zwei Nervenzellen oder von einem Neuron und seinem Erfolgsorgan, z.B. einer Muskelzelle. Das griechische Wort Synapsis, die ´Verbindung mit der Präposition syn (mit), verliert "natürlich" das h, weil das a auf einen (nicht aspirierten) Konsinanten (n) folgt. (Platon hat dieses Wort einmal im Sinne von Verbindung gebraucht, aber natürlich noch nicht als Verbindung von Nervenzellen. Noch nicht einmal bei Aristoteles hat neuron die Bedeutung Nerv, sondern vielmehr Sehne). Auch hier gibt es aber ein Analogon zurm Methämoglobin. Die Präposition Epí(auf) tritt als Vorsilbe vor hapse. Genau wie bei metá fällt deren vokalische Endung vor dem Vokal aus und statt des Spiritus asper steht das aspirierte ph. Eine Ephapse ist eine Stelle, an der bei bloßer Nachbarschaft Erregung der eine Nervenfaser auf eine anliegende übergeht, ggf. bei einer Läsion.
Der dialektischen Triade (Negation der Negation) Hämoglobin - Anämie - Methämoglobin entspricht haptein - Synapse - Ephapse: .

09) Nicht in allen Fällen aber entsprechen deutsche Fremdwörter so getreu den griechischen Regeln und damit auch der griechischen Aussprache. Es würde ihr nicht entsprechen, behaucht Anhämie oder Synhapse zu sprechen. Aber es gibt viele Bildungen, die sich nicht um die besagten Vorbilder kümmern. Das betrifft selbst die so sehr griechische Bezeichnung Panhellenismus, das Bemühen, das ganze antike griechische Staasgebiet wieder herzustellen. Dieses Ürpüagandawort müsste nach unserem Vorbild Anämie sein h verlieren. Panellenismus klingt jedoch nicht nach Griechenland
10) Ein weiteres Beispiel, bei dem die griechische Wortbildung nicht auf die deutsche übertragen wird, ist die Bezeichnung Anhydrid für eine chemische Verbindung, der Wasser entzogen worden ist. Der Fremdwörterduden nennt weitere 11 Bezeichnungen, die mit Anhydr... beginnen. Keiner schreibt. je Anydr...

11) Gegen gleich zwei alte Regelverstöße können Puristen, Reinheitsfanatiker, die Verneinung des Adjektivs homogen beklagen. Man sagt schlicht und gut verständlichinhomogen, wie man (richtig) inadäquat und instabil sagt. Wir sehen , wie bei Anhydrid bleibt das h bei inhomogen nach der Negationsvorsilbe erhalten. Umd überdies wird statt der griechischen Vorsilbe an- die lateinische in- benutzt. Sie entspechen der deutsche Vorsilbe un- . Hier liegt ein indoeuropäisches Erbe vor, bei dem mehr das n der negierende (!) Bedeutungsträger ist als dar vorgestelle Vokal a-, i- oder u- Eine solche nicht selten getadelte Verbindung lateinischer und griechischer Bestandteile in einem Wort wird als Hybride bezeichnet (Siehe den nachfolgenden 3. Exkurs HG3, 27) . Es müsste besser wie bei Anhydrid "anhomogen" heißen. Aber dann wäre da noch das h. Es müsste verschwinden wie in Anämie. Tatsächlich hat der Zoologe Max Hartmann in seiner "Allgemeinen Biologie" 1925 gefordert, inhomogen durch anomogen zu ersetzen. Übrigens hat der im 2.Jh. n.d.Z. griechisch schreibende Arzt und Philosoph Sextus Empiricus ein entsprechendes altgriechisches Wort anomogenés verwendet. Jedoch weder Logik noch Geschichte hat etwas erbracht. Anomogen wurde nur ganz selten gebraucht. Glücklicherweise, möchte man sagen. Inhomogen versteht jeder, der homogen kennt; bei "anomogen" würden alle herumrätseln. möglicherweise der falschen Spur in Richtung anomal folgen. Man sollte bei rückgreifenden "Korrekturen" der Fachsprache vorsichtigt sein, so sehr es vielleicht eine Handvoll Kenner schmerzt. Wie wenige haben heutzutage Griechisch gelernt und wer denkt selbst dann noch an derartige Einzelheiten. Und wer kann letztlich über die schöne traditionelle Uraltgewohnheit hinaus verlangen, dass Fremdwörter, die der deutschen Sprache angehören, griechischen Regeln folgen?

12) Manchmal gehen gutgemeinte Korrekturen aber auch in die andere Richtung. Jeder kennt die Anode, die positive Elektrode, und die Kathode, die negative Elektrode. Es gibt nicht wenige "Modernisten", die im Interesse einer vermeintlichen Vereinheitlichung auch bei der Kathode das h weglassen wollen, das sie für ein einseitig stehengebliebenes Relikt wie seinerzeit beim "Thron", und vielleicht sogar beim "Theater" ansehen. Für uns, die neu gebackenen Spezialisten, aber ist es klar, dass Anode den Typ Anämie repräsentiert und Kathode den Typ Methämoglobin. Zumal, wenn man weiß, dass hier das dem Häm entsprechendnde Grundwort hodós Weg bedeutet. Das Femininum hodós gehört zu den Ausnahmen der sonst fast immer männlichen Wörter der o-Deklination auf -os. Daher heißt es die Anode und die Kathode, ein seit Jahrtausenden bewahrtes altgriechisches Erbe.. Vielleicht sollte die Endung -e, die an die weibliche griechische Endung Eta eriinnert, den richtigen weiblichen Gebrauch erleichtern. Zumal im Deutscchen der Weg männlich ist, sowohl der "Weg hinauf" wie der "Weg hinab", was uusere Bezeichnungen wörtlich bedeuten. Das Gleiche wie für Kat(h)ode gilt für die Pent(h)ode von pentá fünf und hodós f. Weg .
Ob nun so oder so, schreiben Sie wenigstens nicht mal so, mal so!. Ebenso wie man nicht im gleichen Text zwischen Fotograf, (Fotograph), (Photograf) und Photograph wechseln sollte und die eingeklammerten Schreibweisen ganz vermeiden möge.

13) Der besagten Wörter auf -odos sind viele, Periode fällt uns ein, mit der Präposition perí umher, um herum als Präfix , also so etwas wie Umlauf. Oder Synode. syn mit, zusammen . ein Zusammenlauf, eine (beratende) Versammlung von Priestern. Ihnen, wie auch der Diode hilft nichts, das h zurückzugwinnen. Bei der Methode dagegen liegt der analoge Fall zum Methämoglobin vor. Auch ihr zweiter Bestandtei lhodós f. der Weg ist wie bei der Kathode
Entsprechende Zusammensetzungen, die nach der zweiten Regel, der Negation der Negation, der Ausnahme von der Ausnahme das hbeibehalten habe, gibt es mit verschiedenen zweiten Gliedern (Grundwprtern) etliche. Selbst mit Häm gibt es noch andere wie Polyzythämie. Vgl. hg26)
Aber denken Sie immer daran. dass nicht jedes h im Inneren eines griechischen Wortes dieser Antithese seinen Ursprung verdankt. Auch Wörter mit autochthonem ph unf th künnen ihren behauchten Laut (Aspiraten) von vornherein mitbringen (Synthese, Hypothese, Prothese, Apotheke, Hypothek u.v.a.)
14) Zurück zu echten Umwandlern! Der Katholik wird wohl seinen rechtmäßigen Wandel vom t zum th nie aufgeben, dazu hat es die katholische Kirche zu sehr mit den alten Sprachen. Hier ist das Grundwort übrigens hólos ganz, was wir vom Hologramm her kennen.
15) Das allbekannte Panorama setzt sich aus griechischem pân alles und horáo sehen zusammen. Das Worthoráo verliert hinter dem vorangehenden n den Spritus asper. Erfolgte die Zusammensetzung nicht mit der Nominativform des Neutrums (Sg.) pân, sondern mit dem Stann pant- , dann bliebe das h stehen. Man lasse sich aber nicht täuschen: Bei Wörtern wie Pantheismua uud Pantheon gehört das th zum zweiten Bestandteil theós Gott), die Nahtstelle liegt davor - wie bei Xanthíppe, wenn sie sich an die Dame bzw. das "Gelbstute" noch erinnern (Vgl. 06)
16) Auch beim Diorama, dem plastisch gestalteten Schaubild, stammt der zweite Bestandteil von horáo sehen. Das vorangehende di- ist hier aber kein gekürztes dia- durch, sondern kommt von dis zweifach (Vergleiche Dioptrik und Dioptrie). , So sehr der zweite Bestandteil ópsis Sehen, Anblick auch bedeutungsmäßig mit horáoSehen zu tun hat, schreibt er sich vorne ohne h , vgl. dt. Optik und Horizont.)

17) Unsere drei Stufen und der Gebrauch der beiden Spiritûs gelten auch noch im Neugriechischen, nur dass heutzutage dort kein h-Laut mehr gesprochen wird, Die Bewahrung einer funktionell überflüssigen Tradition dürfte. den griechischen Schulkindern - und nicht nur ihnen - das Leben - schwieriger machen.
Und so kann es vorkommen, dass diese antiken "Spitzfindigkeiten" uns nicht nur bei altgewohnten mit-h-Wörtern und ohne-h-Wörtern begegnen, sondern ganz neu und alltäglich bei ziemlich fremden Bezeichnungen. So gibt es in vielen Supermärkten nicht ganz selten einen griechischen Wein namens IMIGLYKOS. Nun, Glykós macht keine Schwierigkeiten. Es kommt in vielen Wortzusammensetzungen vor und entspricht dem lateinischen WortGlukose Traubenzucker. Im neuen wie im alten Griechisch bedeutet glykós süß (und lieblich).. Aha, ein Süßwein, wie ihn einzig trockene Weine goutiernde Weinkenner nicht in den Mund nehmen. Aber bei dem ersten Wortbestandteil Imi- musste ich einen Moment nachdenken, Zunächst erinnerte es mich an ein früheres Waschmittel, ein Gedanke, der meinem Geschmacksinn nicht schmeichelte. Aber Halt! Die Griechen sprechen heuer viele Vokale wie i aus, so auch das Eta. Also "Emi-" und da fällt einem gleich der bei Grossbuchstaben, noch dazu für nichtgriechische Kunden, weggelassene Spiritus asper ein. Also Hemi- statt Imi- !. Und hemi- heißt ganz einfach halb. Die Hemiplegie ist einig halbseitige Lähmung. Hemisphäre, die Halbkugel, kennen alle. Hemiglykos ist also ein halbsüßer Wein. Und wenn Sie, gleich mir. kein Trockenweinfanatiker sind, dann probieren Sie ihn einmal! ("Schleichwerbung" für griechische Podukte sollte uns ein Herzensbedürfnis sein!)

18)Dieses beschwingte Thema hätte einen guten Kaptelschluss ergeben. Aber (und nur) für die Unentwegten und Fortgeschrittenen soll eine letzte Gemme, bei der auch von hemi- halb die Rede ist, nicht fehlen. Die häufigsten Zäsuren des Hexameters, eines epischen Versmaßes, tragen die schillernden Namen Penthemimerés "fünf halbe Teile", Trithemimerés "drei halbe Teile" und Hepthimerés "sieben halbe Teile", eigentlich heißen so die Namen der jeweils davorstehenden Versteile. Mit meres Teilen" sind hier die Versfüße gemeint. (Vgl. den Gluas-Beitrag "Betonung und Metrik", der in Vorbereitung ist). Das h von hemi halb blieb wie verdeutlichend stehen, da trit, pent(á) und hept(á) auf ein t enden. Nach 1,2,4,6,8,9,10 wäre es nicht stehengeblieben und der Wortbandwurm schwerer zu enträtseln gewesen.
(Die hier verwendeten gr. Zahlen 5 und 7 sind Grundzahlen. Für die 3 aber wurde die Ordnungszahl trit- dritt- herangezogen. Vielleicht, um auch sie auf einem h-freundlichen t enden zu lassen?)

Eim vorletzter Nachtrag: Hauchdissimilation

19) So viel zu viel es vielen des griechischen Hs schon sein dürfte, müsste man in diesem Zusammenhang auf eine schön klingend benannte Eigenheit des Griechischen hinweisen, die sogenannte Hauchdissimilation.
Wenn zwei aufeinander folgende Silben mit einem behauchten Konsonanten (Chi, Phi, Theta) beginnen, wird einer davon, meistens der erste, nicht behaucht und durch Kappa, Pi bzw. Tau ersetzt. Wahrscheinlich klang die schnelle Wiederholung des Hauches nicht gut oder war etwas schwieriger auszusprechen. Das Verschwinden des Hauches kommt besonders bei konjugierten Formen vor. Beim Perfektstamm wird normalerweise der Stammanlaut redupliziert (verdoppelt), gefolgt von einem Epsilon:
paidô ich erziehe - pepdeuka ich habe erzogen, aber
chéô ich gieße - kéchuka ich goss, Das erste ch (Chi) ist zum k (Kappa) geworden.

20) Die Hauchdissimulation kann sich auch heutzutage auf die Schreibweise zusamengesetzter deutscher Fachausdrücke auswirken.
Keiner käme auf die Idee, die verbreiteten Wortbestandteile Treph-, Tropho- oder -troph, die etwas mit Ernährung zu tun haben , mit th zu schreiben oder dort im Lexikon zu suchen. Und doch ist das h hier durch Hauchdissimilation verloren gegangen, im Griechischen ist ein Tau aus einem Theta geworden, weil ein zweiter behauchter Buchstabe, das Phi (ph) in der nächsten Silbe folgt. Im Futur (Kennzeichen -s-) wird aus dem Phi ein Psi, aus ph das unbehauchte ps und nun taucht dafür das ursprüngliche th in der ersten Silbe wieder auf. Das Futurum von tréphô Ich (er) nähre, füttere heißt thrépsô Ich werde nähren. Erklären Sie das mal einem Biologen oder Mediziner!. Er wird sie anschauen, wie Sie noch nie angesehen worden sind.


Ein letzter Nachtrag: Rho mit Spiritus asper
21) Über (Bei Großbuchstaben vpr) jedem vokalischen Wortanlaut im Griechischen steht ein Spirtius, ein Hachlautzeichen.Das wissen wir nun zur Genüge. Aber auch über jedem anlautenden r (rho) steht einer -und zwar ein Spiritus asper.
Daher wird das behauchte R im griechischen Wortanlaut bis heute als Rh geschrieben ( (Rhabarber, Rhachitis, Rhapsodie, Rhetorik, Rheuma(tismus), Rho, Rhombus, Rhythmus usw.)
Manchmal findet sich ein mit Spiritus asper versehenes Rho und entsprechend ein rh im Inneren eines Wortes oder gar am Ende. Das ist der Fall, wenn zwei Rho hintereinander stehen, etwa an der Fuge in einem zusammengesetzten Wort. Im Griechischen können beide Rho dann ohne Spiritus stehen, oder das erste Rho erhält einen spiritus lenis, das zweite eien Spiritus asper. (Das sieht irgendwie netter aus.)Katarrh - der Duden lässt auch Katarr zu - ist aus katarrhein herabfließen entstanden..
Während die vokalischen Auslaute der präfigierten Präpositionen in Wortzusammensetzungen meistens ausfallen, epi zu ep-, kata zu kat-, meta zu met- (vgl. Methämoglobin) verkürzt werden. werden diese Präfixe vor Rho sogar verlängert: Aus epi-wird epir- aus kata- wird katar-, daher katarrhei: es fließt herab. Der Spiritus asper muss also nicht im Wortinnern verschwinden wie der auf Vokalen, er erhält vielmehr sogar noch einen Spiritus lenis auf einem rho vorangestellt,

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Exkurs HG 1: Schicksal des h im Latein und in den romanischen Sprachen

hg22) Nehmen wir als Beispiel das dem deutschen haben so ähnliche lateinische Wort habêre (mit kurzem a) und seine Nachkommen in drei Folgesprachen. Wie im Deutschen beginnt habere in allen Formen mit h,. mag das h auch schwach oder gar nicht gesprochen worden sein. Die Stammformen heißen habêre, habeô, habuî, habitum. Es ist ein regelmäßig konjugiertes Verbum der 2. oder ê-Konjugation und behält somit immer sein h am Anfang.. Die Formen des Präsens Indikativ lauten:
habeô
ich habe
habês du hast
habet sie [er] hat
habêmus wir haben
habêtis ihr habt
habent sie haben
Die unterstichene Silbe wird betont, ^ steht über einem langen Vokal. Diese Aussprachehilfen gehören nicht zur <lateinischen Orthografie und fehlen in Orignaltexten,

...23) Im Italienischen sieht es schon anders aus. Wo das h erhalten ist, wird es nicht gesprochen- Der Infinitiv heißt avere, hat also sein Anfangs-h verloren. Im Präsens ist das bei den längeren Formen (2. u. 3. Ps. Pl,) der Fall:
ho ich habe
hai du hast
ha sie (er) hat
abbiamo wir haben
avete ihr habt
hanno sie haben

24) Das Französische hat in sämtlichen Formen des Verbums avoir das anfängliche h verloren
ai habe
as hast
a hat
avons haben
avez habt
ont haben

25) Die Spanier gebrauchen haber nur als Hilfszeitwort (he cantado ich habe gesungen) und unpersönlich (hay es gibt). (Unserem Vollverb haben entspricht tener<)
he
ich habe
has du hast
ha(y) er hat
hemos wir haben
habéis ihr habt (Der Akzent hier wird im Spanischen geschrieben.)
han sie haben
Es fängt zwar immer mit h an, das aber stumm ist.

Gemischt, mal mit, mal ohne anlautendes h sind bei diesen vier Sprachen nur die italienischen Formen.

(Im Esperanto [Inf.: havi. Gegenwart: havas, Vergangenheit: havis, Zukunft: havos usw. wird das h immer geschrieben, aber die Sprecher romanischer Sprachen sprechen es selten.)


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Exkurs HG 2: Herkunft und Übersetzung der kleinen griechischen Textprobe

Textprobe 26)(Deutsche Umschrift, halbwegs phonetisch: Kê:ryx ´engýthen ´ê:lthe phéro:n `rhábdon metà chersín, Tyroglýphou huiòs megalé:toros Embasíchytros, angéllo:n polémoio kakè.n phátin, eîpé te toîa :)

Der Satz, in dem alle griechischen Hauchzeichen (Spiritus asper und Spiritus lenis) und Akzente (Akut, Gravis und Zirkumflex) vorkommen, stammt aus einem Glanzstück griechischen Humors, dem "Froschmäusekrieg", einer von einem Unbekannten ("Pseudo-Homer") wohl in der römischen Kaiserzeit verfasste Parodie auf Homers Ilias. Sie trägt mit ihrem schönen dreigliedrigen griechischen Namen Batrachomyomachía der Freude an griechischen Wortbaukastenfügungen Rechnung. Bátrachos ist der Frosch, -myo- der Wortstamm von mys, Gen,. myós, der Maus. Auch sie ist wie musculus das lateinische Mäuschen, als Bezeichnung für den Muskel in die medizische Fachsprache eingegangen. Man vergleiche das Myom, eine Muskelgeschwulst, das Myoglobin, einen roten sauerstoffübertagenden Farbstoff im Muskel, ähnlich dem Hämoglobin. In -machía aber steckt máchê, die Schlacht.
Unter den listigen Eigennamen der Frösche und Mäuse zeigt besonders die Maus Leichomyle gleich zweifach die nicht ganz seltene indoeuropäische Ähnlichkeit griechischer und deutscher Wörter, zu deutsch bedeutet das nämlich Leckmühle.
Das herausgegriffene Textstück (Verse 136 bis 138, Hexameter wie alle anderen auch) bedeutet: " Ein Herold trat nahe, den Stab in der Hand, Topfkriecher, der Sohn des großherzigen Käsehöhler. Er meldete die schlechte Nachricht des Krieges und sprach folgendes: " (Namen von H, Ahlborn verdeutscht),

Aus babylonischer Zeit ist übrigens ein Lesedrama Katomyomachía Katz(en)mäusekrieg von Theodoros Prodromos erhalten.

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Exkurs HG 3: Hybriden - Latein und Griechisch in einem Wort gemischt

27) In der Botanik ist eine Hybride eine Kreuzung zweier verschiedener Pflanzenarten. Sie wird bewusst und absichtlich gezüchtet, um eine neue Nutz- oder Zierpflanze zu erzeugen. In der Zusammensetzung von Wörtern oder der Zuordnung von Vor- und Nachsilben gilt ein Sprachgemisch als unschön bis unzulässig. Die häufigste Hybride in diesem Sinne dürfte das Wort Automobil sein. Auto- (selbst) entstammt dem Griechischen, mobil kommt vom lateinischen mobilis (beweglich). Millionen benutzen dises "Unwort", ohne dass ihnen dabei etwas Unerwünschtes auffällt. Es wäre blödsinnig und hätte keinen Erfolg, es durch eine Bildung wie etwa Autokinet ersetzen zu wollen. Vorteilhaft und versöhnlerisch wirkt sich aus, dass alle nur Auto dazu sagen. Aber sie tun es nicht, um eine Hybride zu vermeiden, sondern weil sonst dieses vielgebrauchte Wort zu lang wäre.

28) In der Fachsprache finden sich viele zusammengesetzte Wörter. Man kann sie aus einzelnen Elementen baukastenmäßig zusammensetzen: Elektro-kardio-gramm. Und man kann sie (einigermaßen) verstehen, wenn man diese immer wieder benutzten Elemnte kennt. Allerdings fehlen fast immer hilfreiche Bindestriche. Trennt man beim Versuch der Entschlüsselung an der falschen Stelle, gibt es leicht Irrtümer oder nicht zu Enträtselndes. Analgesie hat nichts mit anal (auf den After bezogen) zu tun usw. Hier lauern auch die Gefahren bei "Berichtigungen" und Verschönerungen oft gebrauchter Bezeichnungen. Man muss überlegen, was man mit einer Neubildung anrichtet. Manches scheitert von selbst, findet keine Nachahmer. Anderes ist ohne nennenswerte Schwierigkeiten zu bessern. In meiner Jugendzeit sprach man von Paradentose, später, vielleicht durch amerikanischen Einfluss in der Nachkriegszeit, wechslte man zu Parodontose. Zwei Vokale haben sich geändert. Warum? Paradentose kommt vom gr. para- und vom lat. dens Zahn und ist eine Hybridbildung. Nimmt man den Zahn auch aus dem Griechischen, so heißt er dort odon (oder odous.) Der Wortstamm heißt im beiden Fällen ondont-). Er lautet vokalisch an und in solchem Fall verlieren vorausgehende Präpositionen wie kata, meta, ana, para den auslautenden Vokal. Aus Para-dent... wurde "vernünftigerweise" und ohne großes Aufsehen Par-odont...

29) In einer Multi-kulti (d.h. kulturellen Mischmasch) propagierenden Zeit ist verschiedennsprachige Herkunft der Bestandteile kein Übel mehr wie in puristischen und vorschriftsfrohen Zeiten. Aber auch heute sollte man Manschpansch nicht mit Anregungen, dialektischen Spannungen und Synthese verwechseln. Wenn man zusammengesetzte Termini technici in einem Fachwörterbuch untersucht, wird man der Herkunftssprache nach gemischte und einheitliche finden. Viele Wortkomponisten sehen heutzutage den Konflikt gar nicht, wissen auch nicht wo die Bestandteile herkommen oder setzten sich über "solche Irrelevanzen" hinweg. Manche beachten sie aber noch. Die Zusammensetzungen sind fast halbe- halbe "rein" und "gemischt", Selbst die nur zwei Buchstaben langen Zahlwörternwie gr. Di- und lat. Bi- werden metstens "richtig" gesetzt. Auch hier könnte es durchTremmungsschwierigkeiten zu einer Missdeutung als bio- oder dia- u.a. kommen. Rein griechische Kombinationen der medizinischen Fachspracvhe sind z.B. Endokrinologe, Erythrozyt, Keratoplastik, Nephrolithotomie, Neuropathologie, ...., rein lateinische Hiatushernie, Inokulation , retrosternal, Superinfektion. Gemischt sind: Antikonzeption, Aortenruptur, Kapillarmikroskopie, perioral, Retinopathie, Retropharyngeal....

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