Gluas: Griechisch, Latein und andere Sprachen

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Betonung

140724; letzte Änderung 141218

Die Kurzbezeichnung dieses Artikels heißt ton und ist bei Zitaten den Absatznummern voranzustellen.

ton01) Uns Indoeuropäern fällt es schwer, wie wahrscheinlich auch Angehörigen anderer Sprachfamilien, bei einem (längeren) Wort alle Silben mit gleichem Nachdruck zu sprechen, geschweige denn, einen ganzen Text so vorzulesen. Eine Hervorhebung einer Silbe <Anm.1> ist bei den mehrsilbigen Wörtern in den meisten Sprachen die Regel.
Die Art der Hervorhebung ist unterschiedlich. Sie erfolgt
- durch größerem Nachdruck ( expektorische Betonung),
- durch Längenänderung der Sprechsilben (temporale Betonung). oder
- durch eine erhöhte Tonlage bzw. ein Auf und Ab des Tones    ( musikalische oder melodischeBetonung). <Anm.2>
Oft (oder gar meistens) wirken diese drei Hervorhebungsarten zusammen ("Gemischte Betonung"). Auch im Deutschen variiert die Tonhöhe, zwar nicht (so sehr) in der Wortbetonung, die man erhält, wenn man z.B.Wörter aus dem Wörterbuch vorliest. Insofoern ist lexikalische Betonung (wie Silbenbetonung) ein passendes Synonym für Wortbetonung. Im Kontext dominiert die mehr emotionals Satzbetonungs, z.B im Fragesatz, die sich durchaus bis besonders "kleiner" Wörter wie so und ja) besienen kann-,
In der Regel steht eine dieser drei Möglichkeiten (ganz) im Vordergrund, So dominierte im alten Griechischen der musikalische Akzent, im klassischen Latein eher die Dauer der Silbenaussprache. In den neueren europäischen Sprachen herrscht gewöhnlich die dynamische Betonung vor.
Betonte Silben werden z.B. im Neugriechischen und im Ukrainischen länger ausgesprochen. Im Deutschen und wohl nicht nur im Deutschen können sie aber bei Befehlen und Verweisen oder im Zorn verkürzt werden. Diese Emotionalitäten zählen wiederum zur Satzbetonung, auch wenn nur ein einzelnes kurzes Wort (so! so? ja) gesprochen oder herausgeschrien wird.

02) Das Japanische kennt keine Betonung, Silbe für Silbe folgt gleichmäßig aufeinander. Gewiss gibt es Musikalitäten, wie sie als Satzrhythnus wohl in fast allern Sprachen vorkommen,
In vielen Sprachen sind unterschiedliche Tonalitäten aber fest mit den Wörtern verbunden und entscheiden bei Homonymen über deren Bedeutung.
Am bekanntesten für tonale Unterschiede in der Wortbetonung ist auch in der Gegenwart das Chinesische. Conrad (S.20) nennt als europäische Sprachen mit musialischer Betonung Schwedisch und Serbokroatisch.
Die Betonung eines, meistens zusammengestzten, Wortes kann auch in anderen Sprachen je nach der Wortbedeuutung unterschiedlich sein. Das betrifft dann meistens die exspirative, nicht die tonale Betonung. Englisch wird sie phraseal stress, benannt. Sie ist im Englischen nicht selten. Dazu zählen auch deutsche zusammengesetzte Verben.(z.B. unterstellen und unterstellen), Sie kann aber auch die Satzbetonung betreffen (z.B. Ein Gang führte zum Eingang. Dieser Wechsel dient nicht der Emotionalität, sondern dem richtigen Verständnis, Vielleicht soillte man im Deutschen von Sinnbetonung sprechen.

03) Bei der situations- oder stimmungsbedingten Satzbetonung (Satzintonation) können auch mehrere Wörter im Satz hervorgehoben werden. In Hast du aber Glück gehabt! können du und Glück praktisch gleich stark betont werden. (Situationsbedingt kann eine sonst nicht betonte Silbe herorgehoben werden: Es heißt Ampulle, nicht Impulle!), Obwohl mehrfach erwähnt, ist der Satzton hier nicht unser Thema. Gerade daher wurde er hier der Wortbetonung (auch "Silbenbetonung") abgrenzend gegenübergestellt<Anm.2>.
Auch bei der Wortbetonung , also bei der emotionslosen Nennung eines Wortes, kann neben dem Hauptton ein Nebenton, oder können, besonders wenn das Wort lang und zusammengesetzt ist, sogar mehrere Nebentöne zu hören sein <Anm.2>. Ein solches Wort trägt manchmal sogar mehrere Betonungszeichen, z.B,im Griechischen (s.u.!).
Lexikalische Betonung ist vernünftigerweise kein Synonym für exspiratorische Betonung, sondern für Wortbetonung. Es bedeuter, das Wort emotionslos so sprechen, wie man es aus dem Lexikon vorliest. Das gilt natürlich für alle Hervorhebungsarten, auch wenn sie Längenakzent oder musikalisch betont werden.

04) Ich spreche lieber von "Betonung" als von "Akzent", soweit er als deren Synonym gebraucht wird., Akzent bezeichnet auch das Betonungszeichen und überdies noch die andersfarbige Lautung einer Sprache aus dem Munde eines Ausländers. ( Die mundartliche Färbung der Mutttersprache wird dagegen als Dialekt bezeichnet. )Im Esperanto als einer internatiomalem Sprache vertreten gleichsam diese Akzente die Mundarten, so wenn ein Fzanzose mit einem Engländer Esperanto spricht.

Gleichsam als Gegenteil betonter Laute könnte man Murmellaute in nur füchtig gesprochhenen Silben bezeichenen. So etwa, wie wir das e in unserer Infinitivendung -en sprechen - besonders, wenn wir schnell und "unartkuliert" sprechen, Im Englischen ist dieses angedeutete e bei weitem der häufigsten desprochene Vokal, der nicht etwa nur ein e ersetzt. Dieses Phänomen einer Unterbetonung ist der Betonung skalar entgegengesetzt. Aus zwei Möglichkeiten, betont und unbetont. werden nicht nur drei, sondern eine Folge gradueller Unterschiede, unter denen alle Nebentöne und Schattierungen ihren Plaz finden, Derart kontinuierlich steigern lassen sich sowohl Schalldruck wie Vokallänge und Tonhöhe (und sind daher alle drei quantitativ!.

Betonungsarten

05) Verschiedene Sprachen betonen ganz verschieden. Mit Gefühl trifft man selten die richtige Betonung, und nur, weil es beim einzelnen Wort nicht viele Möglichkeiten gibt. Oft stehen nur zwei Silben zur Auswahl.
Welcher Art kann Betonung sein?.

Der Absatz 05) ist sehr lang geraten, weil das Einmischen weiterer Absatzummern die Giederung der Betonungsarten konterkariert hätte. Wenn eine genauere Lokalisation angezeigt ist, kann diese durch eine zusätzliche Angabe dieser Gliederungseinheiten eingeengt werden..

Zur Terminologie; Es enpfiehlt sich eine auch terminologische Unterscheidung zwischen der Silben(an)zahl, der Anzahl von Silben, die ein Wort hat (Ein-, zwei-,dreisilbig usw), und der Silbennummer; die angibt, die wievielte Silbe im Wort eine bestimmte Silbe ist. Von hinten gezählt ist die letzte Silbe (-1), die vorletzte (-2), die drittletzte (-3). Einer Verwechslung von Silbenzahlen und Silbennumern beugt man vor, wenn man bei letzteren immer (auch bei Zählung von vorne) das Vorzeichen mit angibt, also (auch +1, +2 ...).
Beispiel: Pumpernickel hat 4 Silben: seine Silbenzahl ist 4. Betont wird die 3.Silbe., Sie hat die Silbennummern +3 gleich -2. Die negativen, von hinten gezählten. Zahlen sind oft für die Betonung relevanter als die positiven.
Bei den verschiedenen Sprachen kann man vier große Gruppen unterscheiden., Die zweite und die dritte Gruppe hat je drei Untergruppen.. Es empfiehlt sich, die Nummern der vier Betonungsarten mit römischen Ziffern zu bezeichnen, um sie nicht mit Silbennummern und Silbenzahlen zu verwechseln.
I) Keine Silbe im Wort wird hervorgehoben. Erwähnt wurde das Japanische. Man fühlt sich versucht, die Gruppe mit 0 zu bezeichnen: ohne Betonung..
   

II) Die Betonung folgt einer bestimmten Silbennummer
Durch die festgelegte Betonung fällt beim Vokabellernen die Mühsal weg, sich den jeweiligen Wortakzent einprägen zu müssen. Das Vorlesen gelingt einfach und fehlerfreii, auch bei Wörtern, die einem unbekannt sind.
Hierfür hat sich die Bezeichnung fester (fixer, weniger gut: gebundener, rhythmischer oder delimitativer) Akzent eingebürgert (Conrad, S,20).
Das kann sein
   a. immer die erste Silbe (+1)
Erstsilbenbetonung finden wir im Finnischen, Estnischen und Ungarischen, drei europäischen Sprachen der ugrofinnischen Wortfamilie, aber auch bei den slowakischen Sprachen Tschechisch und Slowakisch. Die Erstsilbenbetonung klingt immer etwas pointiert. Auf die Tonsilbe folgt eilig die Kette der unbetonten Silben. Das wird besonders deutlich wegen der Häufigkeit vielsilbiger Wörter. So wird durchaus mal die zehntletzte Sibe betont. Im Ungarischen klingt es etwas weicher, leicht singend.b. immer die vorletzte Silbe (-2)
Die Betonung der vorletzten Silbe erweckt den Eindruck einer fließenden Natürlichkeit, ohne dass Eintönigkeit auffällig werden muss. Sie findet sich bei ganz unterschiedlener Herkunft der so betonten Sprachen: etwa beim Polnischen, beim Indonesischen, beim Kiswahili. Auch Zamenhof wählte für sein Esperanto diese Lösung. Das war wohl die bestmögliche Wahl, wenn man dann auch familio wie kolonioauf dem i (-2) betonen muss.
c. immer die letzte Silbe (-1)
Bei der Betonung der letzten Silbe denkt man gleich an das Französische. Diese Betonung fällt in der fließenden Rede wenig auf, weil die "Betonungsenergie" relativ gering ist und zudem die betonte Endsilbe tiefer, also etwas abfallend, gesprochen werden. Außerdem wird die Wortbetonung von der Satzbetonung überdeckt und dadurch eine Monotonie in der Satzabfolge vermieden.
Nicht selten fällt der französische Wortakzent mit dem des lateinischen Herkunftsworts durch Wortverkürzung (Endungswegfall) oder -umbau zusammen: Die lat. Tonsilbe ist dann im frz. Wort die letzt Silbe.
III) Die Betonung folgt anderen Regeln und nicht einer
    bestimmten Silbennummer.

Die Betonungsarten III und IV werden bisweilen im Unterschied zu II als freier Akzent bezeichnet, weil sie nicht an ein immer gleiche Silbennummer gebunden sind. Bei III ist die jeweilige Betonung durch Regeln vorgegeben. IV ist von allen Betonungsarten die freieste. "Frei" aber in dem Sinne, dass man bei einem Wort beliebige Silben nach freier Wahl betonen kann, gibt es nicht,
a. Die Netonungsregel wird durch eine für alle Wörter geltende Regel (allgemeine Regel) festgelegt.
Ausnahmen sind höchstens Fremdwörter, Eigennamen und verkürzte (apostrophierte) Wörter, bei denen die letzte Siilbe, meist nur ein Vokal, ausfällt und dadurch die vorletzte Silbe zur letzten geworden ist.
So gilt für das Lateinische die einfach zu merkende Regel: Wenn die vorletzte Silbe lang ist, wird sie betont, andernfalls die drittletzte. Sie gilt für alle mindestens dreisilbigen Wörter (von besagten Ausnahmen abgesehen..
Im Sanskrit, ebenfalls einer indoeuropäischen Sprache, geht es im gleichen Sinne noch einen Schritt weiter: Wenn auch -2 kurz ist, gehr die Betonung asuf -3 zurück.
b. Es gibt eine, wenn auch oft nicht eingehaltene, Grundregel für dir Betonung, gleichsam mit unzähligen Ausnahmen. Allerdimgs gilt diese Regel insofern allgemein, als sie nicht (wie 3c) auf bestimmte Wörter oder Formen beschränkt ist.
Die ausnahmslos eingehaltene Regel von IIa erscheint demgegenüber als Gesetz.
Bei germanischen Sprachen wie dem Deutschen oder dem Englischen wird "in der Regel" die erste Stammsilbe betont (Stammsilbenbetonung). Jeder kann aber sofort unzählige Ausnahmen nennen. Die generelle Regel ist oft genug außer Kraft gesetzt. Im Englischen eher noch häufiger als im Deutschen. Dort kann die Nichtgültigkeit der Grundregel durch eine Betonung entsprechend der Herkunftssprache eines Wortes zur Bedeutungsunterscheidung bei gleich geschriebenen Wörter (Homonymen) oder einfach "nur so", als Sprachgewohnheit über lange Zeiten erfolgen. Die Grundregel kann auch durch Regeln, die nur für bestimmte Wortgruppen gelten (nach Art von 3c), aufgehoben werden. So werden im Deutschen zusammengesetzte Verben (Verba composita) die bei der Konjugation getrennt werden, auf der Vorsilbe (dem Präfix, oft einer Präposition) betont. Wird der Infinitiv eines zusannengestzten Worts auf der Stammsilbe betont, dann wird das Verb beim Konjugieren nicht getrennt. Beispiele:unterstellen : Bei Regen stelle ich mich unter) und unterstellen (Sie unterstellt ihm, gelogen zu haben).
c. Es gibt eine Reihe einzelner Regeln, die aber nicht die gesamte Betonung festlegen, Zu unterscheiden sind Regeln 1.Ordnung, welche die Nennform von Substantiven, Präpositionen und Adjektiven (Nom.Sg). oder Verben (Infinitiv praes. Akt. bzw 1.Ps.Sg.Indik.Praes.Aktiv) betreffen, somit im Wörterbuch bei den dort aufgeführten Wortern bzw, bei zu lerneneden Vokabeln in Erscheinung treten und Regeln 2. Ordnung, die erst bei der Beugung (Deklination bzw. Konjugation) wirksam werden. Manche sprechen in diesen Fällen von "beweglicher Betonug". Vielfach sind es (ziemlish) allgemeingültigr Regeln, die nicht nur für einige Wörter gelten.
Hier ist das Griechische zu nennen (s,u. den Abschnitt .Die Betonung im Griechischen).
IV) Die Betonung folgt (praktisch) keiner Regel und muss für jedes Wort mitgelernt werden. Für einige Wörter gibt es spezielle Regeln 2.Ordnung.   . Das wird auch als als freier, (beweglicher) oder grammatischer Akzent bezeichnet (Conrad S.20). Ein bei der Deklination oder Konjugation autftretender Betonungswechsel erscheint im lexikalisch aufgelistetenWortbestand nicht als neues Wort, folglich ist es eine Regel 2, Ordnung. Sprachen dieser Art , betonen nach Gewicht und Erscheinung ganz überwiegend regellos, "frei" (IV). Daher empfiehlt es sich, von "praktisch" regellos zu sprechen. Russich würde ich nach Verbreitung und Gewichtigkeit (Allgemeingültigkeit) solcher Regeln zu IV stellen, Griechisch aber zu IIIc, schon weil Regeln 2. Grades dort nicht bei einigen Wörtern, sondern überall gelten, wenn dte Bedingungen gegeben sind
Ein Beispiel für eine nur für einige Wörter geltende Regeln 2.Ordnung: Im Russischen gibt es zweisilbige Neutra auf -o oder -e, die im Plural auf der anderen Silbe betont sind als im Singular. Morje das Meer heißt im Plural morja, okno das Fenster hat die Mehrzahl okna.
(Es geht in ähnlicher Weise über Kreuz wie im Latein und romanischen Sprachen (auch im Keltischen ) bei kennzeichnenden Vokalen für ein Verb verschiedener Konjugationen im. Indikativ und Konjunktiv:amat er liebt - amet er möge lieben, Und andersherum: vivet er wird leben - vivat er soll leben)

Auch bei kurzen männlichen Substantiven gibt es im Russischen einen Betonungswechsel zwischen Singular und Plural (zwischen Stamm- und Endungsbetonung ) oder zwischen Nom.und Gen. im Plural.

Im Unterschied zu den Sprachen mit völlig geregelter Betonug (2, 3a), erleichtern die partiellen oder (so gut wie fehlenden Regeln) nicht die Erlernbarkeit der Sprachen mit überwiegend regelloser Betonung (3b,4).

Betonungszeichen

06) Die Betonung kann in der offiziellen Rechtschreibung einer Sprache durch obligatorisch zu setzende diakritische Zeichen ("Akzente") gekennzeichnet werden. Das erleichtert das Vorlesen sehr, erschwert aber das Schreiben, nicht nur durch Mehrarbeit, sondern bei der heutzutage allgemeinen Nachlässigkeit und Irregularitäten in der Aussprache kann es Nachdenken erfordern und Schreibfehler zur Folge haben,.
Die Form dieser Zeichen ist häufig ein rechtsgeneigter Strich (slash) nach Art des französichen Accent aigu bzw. der griechischen oxeía (Akut). Daneben findet sich häufig auch ein linksgeneigter Strich (backslach) oder außerdem ein Zirkumflex. In vielen Sprachen trägt nicht jede Tonsilbe ein Betonungszeichen, Bei manchen Sprachen, besonders bei denen eine bestimmte Tonsilbe (z,B, die erste: Tschechisch, Ungarisch) fest vorgegeben ist (IIA), haben entsprechende Zeichen eine andere Bedeutung, z.B Vokallängen oder Aussprachevarianten anzuzeigen,

Ist die Betonungsart bei verwandten Sprachen gleich?

07) Die drei erwähnten slawischen Sprachen Russisch, Polnisch und Tschechisch gehören drei verschiedene Betonungsarten (IV, IIa ,IIb) an. Die Betonungsart ist also nicht notwendigerweise in einer Sprachfamilie gleich. Andererseits kann aber auch die Betonungsart für eine Sprachfamilie typisch sein wie bei den ugrofinnischen Sprachen Estnisch, Finnisch und Ungarisch.

Die möglichen Silbennummern in der Betonung verschiedener Sprachen

08) Jede Wortbetonung (Silbenbetonung) setzt ein mindestens zweisilbiges Wort voraus.
Jedes Wort einer Sprache mit Betonung auf einer festen Silbennummer, wird nur auf der so bezeichneten Silbe betont .
Latein kann nur auf der vorletzten (-2) und dritttletztn Silbe (-3) betont werden, nie auf der letzten, aber auf der ersten und jeder folgenden, soweit diese zugleich -2 bzw. -3 sind.
Griechisch kann auf den drei letzten Silben betont werden - folgt dabei aber anderen Regeln (s.u.!),
Im Russischen kann die Betonung mindestens auf -4 (?) zurückgehen.
Die Bezeichnung "Freier Akzent" besagt, dass bei eine Sprache der Akzent auf jeder Silbe (+1, +2, +3. +4 oder ...) liegen kann. Das soll beim Indoeuropäischen der Fall gewesen sein. Dabei ist es noch im Altindischen geblieben.

Die Betonung im Lateinischen

09) Die korrekte lateinische Betonung setzt die Unterscheidung langer und kurzer Vokale und - was damit nicht identisch sein mus, langer und kurzer Silben voraus. Das erfordert eine Kenntnisnahme, die hier vorauszuschicken ist:

Die Länge der Vokale (und Diphthonge)

Die Länge oder Kürze eines Vokales wird als seine Quantität bezeichnet. Einen langer Vokal kann man übertriebenerweise beliebig lange dehnen, einen kurzen nur punktuell sprechen und nicht in die Länge ziehen. Das erlaubt eine einfache Unterscheidung, die Ungeübten sonst nicht immer leicht fällt. Machen Sie den Versuch mit den deutschen Wörtern Herr und Heer.
Wenn Sie beide Wörter mehrfach hintereinander sprechen, wird Ihnen auffallen, dass sie in Ihrem Mund an verschiedenen Stellen gebildet werden und daher auch unterschiedlich klingen. In Herr unterscheidet sich das e nicht sehr von einem kurzen ä.Dagegen können Sie keine Klangähnlichkeit zwischen einem langen ä (wie in Käse) und Heer herstellen. Im Deutschen werden die kurzen Vokale gewöhnlich offen gesprochen, die langen aber geschlossen. Sprechen Sie aufmerksam und abwechselnd:
fällen - fehlen,
Tonne - Ton,
Pfarrer - Fahrer,
Kinn - Kino,
Rum - Ruhm .
.
Der Unterschied zwischen offen und geschlossen ist bei e und o deutlicher zu hören, aber auch bei a, i, u, ä, ö, und ü durchaus merklich.
Auch im Latein sollen die kurzen Vokale offen und die langen Vokale geschlossen
gesprochen worden sein.:
venit er (sie, es) kommt - vênit er (sie, es) ist gekommen,
os Knochen - ôs Mund,
malumÜbel - mâlum Apfel,
liber Buch - lîber frei,
frûctus Frucht: erstes u kurz und offen. zweites u lang und geschlossen.
Die Kombination von Quantität und Klang der Vokale sollte hier erwähnt werden, ohne dass sie beachtet werden muss. Sie wird unbewusst in der Aussprache realisiert, wie es dem Deutschen und wohl auch dem Lateinischen entspricht.

Im Latein gibt es die Vokale a, e, i, o, u. Sie können kurz oder lang sein.
y
findet sich nur in (griechischen) Fremdwörtern.
Im Wort können mehrere Vokale unmittelbar aufeinander folgen. Entweder werden sie dann einzeln getrennt und ihrem Vokalwert entsprechend hintereinander gesprochen. Dann bildet jeder von ihnen eine einzelne Silbe. Oder zwei benachbarte Vokale bilden miteinander einen einheitlichen neuen Laut (Diphthong, Zwielaut: ae, au, eu, oe, ui). Dieser gilt im Latein immer als lang. Ursprünglich wurden auch hier die einzelnen Vokale kurz hintereinander gesprochen, einer flüchtiger als der andere, z,B ai. Der geschriebene Diphthong entspricht aber nicht immer der Lautung, Schriftzeichen haben oft lediglich einen bezeichnenden Symbolcharakter. Spricht man e und u schnell hitereinander aus, so wird nie ein eu in seiner deutschen Ausprache daraus. Eher wird das mit o und i gelingen, (Für Konsonanten gilt dasselbe - oder Schlimmeres. Die Konsonanten s, c, h können durch schnelles Hintereinandersprechen akustisch nie zu unserem sch verschmelzen.

Lateinisches aes Erz wird zu einer Silbe zusammengezogen und ä oder ai gesprochen. Lateinisches âêr Luft dagegen wird in zwei lange Silben geteit â-êr gesprochen. Hier liegt nur eine Vokalfolge, aber kein Diphthong vor. Dem Schriftbild der beiden Wörter ist der Unterschied nicht anzusehen. Man muss es wissen. Allerdings ist aer ein Fremdwort aus dem Griechischen, Dass die beiden Vokale â und ê hintereinder lang sind, ist im Lateinischen selten, wo die (oftmals durchbrochene) Regel gilt: Vocalis ante vocalem brevis est Ein Vokal vor einem Vokal ist kurz.
Uns interessiert hier speziell, ob jeweils ein echter Diphthong als eine (immer lang gespochene) Silbe vorliegt oder zwei unverschmolzene Vokale, die zwei Silben bilden. Getrennt gesprochene Vokale, die wie aer keinen Diphtong bilden, zählen als zwei Silben. Nur mit dieser Unterscheidung kann man wissen, welche die über die Betonung entscheidende vorletzte Silbe repräsentiert, der ganze Diphthong oder einer von zwei aufeinander folgenden Vokalen.
Beispiele:
- fêminae Frauen: Die letzte Silbe (-1) bildet der Diphthong ae. Die vorletzte Sibe (-2), das i, ist kurz und folglich nicht betont. Also wird die drittletzte Silbe betont (-3=1), das e. Die Länge dieser betonten Silbe spielt dabei keine Rolle,
- însomnia Schlaflosigkeit: Die beiden letzten, voneinander unabhängiegen Vokale i (-2;3) und a (-1;4) sind kurz, dazu gehört die vorletzte Silbe (i: -2). Betont wird die drittletzte Silbe (o: -3=2). (Dass der erste Vokal, das i vor ns von Natur lang ist, mag manchen verwundern. In Punkt 5 des folgenden ersten Exkurses wird es erklärt.)
- amoenus reizend [anmutig],: Hier steht ein echter Diphthong oe in der vorletzten Silbe und wird folglich betont.
- puerî Knaben [Jungen]: u und e sind kurze Vokale und haben nichts miteinander zu tum, als dass sie hintereinander stehen. e steht auf -2, ist kurz, an seiner Stelle wird das kurze u in der drittletzten Silbe betont.-
Die gleichen vier Beispiele in überschaubarerer Übersicht:
fêminae (-1): ae Dipthong, (-2): i kz., also unbetont. (-3): ê lg. betont
însomnia (-1): a kz., (-2): i kz., also unbetont, (-3); o von Natur kz., betont
amoenus (-1): u kz. (-2): oe Diphthong. betont
puerî (-1): î lg.., (-2): e kz, also unbetont, (-3): u kz., betont
Betonen Sie richtig fêminae, însomnia, amoenus und puer !

Bei der heuer in Mode gekommenen (altertümelnden) a-i- Aussprache des -ae, z.B im Nom. Pl. der a-Deklination pflegt diese Hässlichkeitt breit und oft betont hervorgehoben zu werden. Die deutliche Trennung der Vokale â-i nach gelängtem â suggeriert, das es sich um keinen echten Diphthong und folglich zwei Silben handelt. Dann müsste das a betont werden, und so sprechen sie das Wort ja auch fast aus; "fêmina-i" Frauen
Überdies ist es eigentümlich, das ai die altertümliche Schreibweise für jüngeres ae ist, Warum wurde die Orthographie umgestellt, wenn weiterhin ai gesprochwen wurde? Böse Zungen sagen, dass die ai-Aussprache des ae nur gefordert wird, weil aus Caesar unser Wort Kaiser geworden ist, als müsste der Kaiser sonst Käsar heißen. So schlicht und einfach geht Sprachgeschichte aber nicht unbedingt
.

Die Länge der Silben

Alle Silben mit einen langen Vokal oder einem Diphthong gelten als lang. Das ist die sogenannte Naturlänge. Aber auch Silben, in denen ein kurzer Vokal steht, können lang sein. Das ist dann der Fall, wenn auf den Vokal mindestens zwei Konsonanten folgen. Dabei is es gleich, ob sie der betreffenden Silbe selbst oder der folgenden Silbe angehören: Es können zwei gleiche Konsonanten (Doppelkonsonanten) sein (ll, pp ...) , zwei verschiedene (rp. st. ..), drei (z.B. -nst-) oder vier verschiedenen (-nstr-).
Im Unterschied zur Naturlänge einer Silbe mit einem langen Vokal spricht man bei einem Vokal, der von mehreren Konsonanten gefolgt ist, von einer "Positionslänge". Diese von den Griechen übernommene Bezeichnung bezieht sich nicht auf die Stellung des Vokals (vor mehreren Konsonanten positioniert), wie man vermuten könnte, sondern war aus der Annahme entstanden, es handele sich gleichsam um eine Übereinkunft der Dichter, derartige Silben als lang anzusehen, zu "setzen" (ponere)
Der Vokal ener positionslangen Silbe kann kurz (prômissum Versprechen) oder lang (immênsus unermesslich) sein. Ist er kurz, dann wird er auch kurz gesprochen. ).
Die gleichsam in sich zusammengestzten Konsonanten x und z erzeugen Posiitionslänge, nicht aber das q.

Handelt es sich bei zwei aufeinanderfolgenden Konsonanten um die [leicht und schnell sprechbare] Verbindung von einem Verschlusslaut und einem r oder l (bl, br, cl, cr, dr, gl .gr, pl, pr, tr, , wenn wir von den behauchten Mutae [Aspiraten ch-,ph-, th-.]absehen),dann bewirkt eine derartige Konsonantenverbindung üblicherweise keine Positionslänge. Diese Kombination wird, etwas wissenschaftlicher, als "Mûta cum liquidâ" bezeichnet.
Lit(t)tera Buchstabe, vôcâlisVokal und cônsonâns Konsonant sind im Latein weibllich! Daher sind sind die zugehörigen Adjektive (mûta stummn und liquida flüssig ) weiblich.
Folgen neben Muta und Liquida weitere Konsonanten (z.B. -mpr, -ncl) dann fällt die Entscheidung leichter: Zusammen längen sie immer.)
Als Erklärung, warum kurzer Vokal + Konsonant + Konsonant eine Silbe lang machen, nimmt man seit der Antike an, dass die Aussprache mehrerer Buchstaben länger dauert, mehr Zeit in Anspruch nimmt. Noch im Italienischen wird ein Doppelkonsonat hörbar länger gesprochen (z,B in azzurro blau).
Leider ist den Vokalen nicht anzussehen, ob sie lang oder kurz sind. Das ist von der Betonung abgesehen für die korrekte Aussprache wichtig, damit man nicht "dohmuhss" für domus Haus sagt und "Romma" statt Rôma. (Ein Dackel aus meiner Nachbarschaft wurde immer "eeego" gerufen. Erst nach Jahren merkte ich, dass er ego ich hieß .) Vor allem aber kann man ohne die Kenntnis der "Quantität" nichts mit der Betonungsregel anfangen.
Um den Nicht-Lateiner nicht zu überfordern. beschreibe ich alle Erkennungsmöglichkeiten in dem hintan folgenden Exkurs TON1
Die Silbenlängung durch Position mag dem Lernenden zunächst als Komplizierung gegenüber einer einfachen Berücksichtigung der Naturlänge erscheinen, Sie ermöglicht aber, manchem unbekannten Wort anzusehen, ob es auf der vorletzten oder drittletzten Silbe betont werden muss..

Die Betonungsregel: Pänultimaregel

Die Frage nach der Betonung erhebt sich erst bei Wörtern mit drei oder mehr Silben. Einsilbige Wörter haben keine Wortbetonung. Werden sie mit mehr Nachdruck gesprochen, betifft das die Satzbetonung "Halt! (Bleiben Sie stehen!)" und nicht den (lexikalischen) Wortakzent.
Zweisilbige Wörter werden im Lateinischen immer auf der ersten Silbe betont, die ja bei ihnen zugleich die vorletzte (-2) ist, sei sie lang oder kurz. Sinn macht die lateinische Betonungsregel erst bei mindestens dreisilbigen Wörtern . Die Regel wurde schon im Abschnitt IIIa genannt, ist denkbar kurz, einfach zu begreifem imd zu behalten. Eine einzige Betonungsregel wird wohl jeder (mit der Zeit) lernen können:
Bei mehr als zweisilbigen Wortern wird die vorletzte Silbe betont, wenn sie lang ist, sonst die drittletzte. (Diese im Latein (fast) allgültige Regel wird auch als Paenultima-Regel bezeichnet nach paenultimus,a,um vorletzter,e,es.
So einfach diese Regel ist, so schwierig ist sie durch die oft unerkennbare Quantität der Silbe anzuwenden. Wenn man nicht weiß, ob die Silbe lang oder kurz ist, kann man nichts mit der Betonungsregel anfangen. Die Positionslänge erkennt man zwar auf den ersten Blick, wenn zwei oder mehrere Konsonanten folgen. Aber ob ein Vokal lang oder kurz ist, das ist ihm nicht anzusehen: die Naturlänge ist nicht zu erkennen. Wo man indico ich zeige an betonen muss, sieht man nicht, man muss es wissen. (Es gibt beides als unterschiedliche Wörter: indîcâre, indîcô ... ansagen, ich sage an und indicâre, indicô anzeigen, ich zeige an.). ... Bei importo ich führe ein, erkennt man sofot die Positionslänge der vorrletzten Silbe an debn beiden konsonanten rt, die auf den Vokal (o) folgen. Qlso wird diese betont.
Um den Nicht-Lateiner nicht zu überfordern. beschreibe ich alle Erkennungsmöglichkeiten in dem an dieses Kapitel "Betonung" anschließenden Exkurs TON 1.

Ausnahmen

Diesen Abschnitt können Sie getrost weglass,en, wenn Sie kein praktizierender Lateiner sind. Merken Sie sich nur, dass es auch von der Paenultma-Regel, wie fast bei jeder Regel, Ausnahmen gibt!
1) Wenn eine Endsilbe ausgefallen ist - oft nur ein Vokal - kann die Betonung auf der ursprünglich betonten Silbe erhalten bleiben, obwojl diese jetzt von der vorletzten zur letzten Silbe geworden ist.
2) Bisweilen verschmelzen die letzte und die vorletzte Silbe. Sie werden bei der Beugung, oder auch in der Nennform zusammengezogen, (z.B. -âtis zu âs) und die Betonung bleibt auf der früheren vorletzten, jetz letzten Silbe stehen.
3) Bei manchen Imperativen wird im Praes.Act.in der 2.Ps, Sg, das e abgeworfen: Dadurch werden sie einsilbig.(fac mach!, duc führ(e)! , dic sag",), Auf die Betonung kann sich das nur bei Verba composita (zusammengesetzten Verben), bei mindestens Dreisilbiglkeit. auswirken: So wird êdûce zu êdûc. ( Bei fer trag!. ist die Silbe kurz. Bei aufer trag weg! und antefer zieh vor! besteht kein Grund den Ton auf die vor dem Endsilbenabfall unbetonte Silbe zu ziehen.)
4) Bei einigen Adverbien ist ein endendes -ê ausgefallen, und so illîce zu illîc dorthin geworden. So auch adhûc bisher u.a..
5) D1e Silbe vor -que und --ve oder und der Fragepartikel - wird immer betont, ob sie lang ider kurz ist. Diese Einsilbner stützen sich auf das vorhergehende Wort (als angelehnte Enklitica (s. Griech.!) ohne eigene Betonung. Sie machen dadurch dessen letzte Silbe zur vorletztfn, die Ultima zur Paenultima, die sogar dann betont wird, wenn sie kurz ist,
(Es gibt noch weitere Enklitia, aber deren Betonung ist unterschiedlich.)

Sprachgeschichte

In ältesten Zeiten wurde Latein zwar nicht immer auf der ersten Silbe betont, wie man manchmal liest, aber jedenfalls weiter vorn als später (auf -2 oder --3). Das Indogermanische hatte einen freien Akzent, d.h. der Ton konnte auch anders als im klassischen Latein und alten Ggriechisch vor der drittletzten Silbe liegen.
Für das Indogermanische wird ein vorwiegend musikalischer Akzent angenommeen, der sich im alten Grriechisch erhalten hat, Im Latein dominierte aber wohl ein Längenakzent; Die betonte Silbe hatte eine längere Sprechdauer, Das brauchte sich nicht in überlangen Vokalen zu äußern, sondern die Aussprache der folgenden Konsonanten konnte mehr Zeit in Anspruch nehmen, War der betonte Vokal nicht lang, mussten ihm in der betonten Silbe mindestend zwei Konsonanten folgen.
Aber dte heute im Unterricht gelehrte und gepflegte Paenultma-Regel blieb nicht für alle Zeiten bestehen. In der Volkssprache wurden positionslange Silben kurz gesprochen (reaktiv dagegen bei Gebildeten oft übertrieben lang, selbst unter Dehnung eines von Natur kurzen Vokals). Die Komödiendichter maßen solche Silben in der Metrik kurz, um ungebildete Sprecher zu charakterisieren. Die uns erstaunlich sicher anmutende Unterscheidung von Länge und Kürze durch die Sprecher verschwand nach und nach immer mehr, Man muss hier unterscheiden; Der exspiratorische Akzent setzte sich gegenüber der Betonung durch Längung durch, wie dann auch in den sich herausbildeten Nationalsprachen als Muttersprachen späterer gebildeter Lateinanwender. Aber die expektorische betonten Silben wurden länger, die unbetonten kürzer gesprochen, Man sollte diese Verbindung von expectorische Betonung und Silbenlänge und von Senkung und Kürze nicht generell als "modern" charakterisieren. Sie gilt zwar für das späte Latein, aber nicht durchgehend für die romanischen Sprachen, jedenfalls heute, und ganz und gar nicht für das Deurtsche, wo kurze Silben sich oft kommandoartig besser betonen lassen als lange. So wird das lange aus in gerade aus Militärjargon zackig verkürzt.

Eine lebende Sprache wird man in ihrer gegenwärtigen Form unterrichten. Welche Entwicklungsstufe aoll man aber bei einer "toten" Sprache als Gebrauchsmuster auswählen? Immer wieder, gleichsam als Erkentnisfortschritt, heißt es, die Römer hätten eigentlich so und so gesprochen und so müsse man Latein lehren und lernen. Aber selbst im alten Rom gab es die Volkssprache in verschiedener Ausprägung und die Sprache der Gebildeten und Skribenten, eher eine zurechtemachte Kunsprache, die in diser Weise kaum gesprochen wurde. Und das ganze war in ständigem Wandel und weiterlaufender Entwicklung. Nach dem ziemlich weit abweichdem Latein des Mittelalters, das eine eigene Entwicklung durchlief, folgte eine Rückbesinnung auf die klassische Sprache, von der genug Texte vorlagen, aber über deren Aussprache damals noch weniger Kenntnisse vorlagen als auf dem heutigen Stand der Forschung. Das neue Gebracuslatein der Renaissance, der Humanisten, der Gelehrten und Universitäten entwickelte sich trotz des beabsichtigten Rückgriffs fast als eigene Epoche, Auch wenn es keine Muttersprache war, kann man es nicht als tote Sprache bezeichnen. Es war in dieser Form in wissenschaftlicher, aber auch ästhetischer Hinsicht, ein international gebräuchlicher Kulturträger ersten Ranges bis weit ins 19. Jahhundert hinein. Erst 18.. wurden an der Berliner Universität die ersten Doktorarbeiten in Deutsch statt in Latein verfasst. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, das sei unser Latein und man sollte es in seinen phonetischen Eigenschaften belassen und damit auch eine stärkere Kontinuität bewahren. Ein Zugeständnis war es (und ist es vielleicht noch), dass - zu "meiner" Studienzeit jedenfalls - die Laterinlehrer im Hochschuldienst in allen Fakultäten dte klassische Aussprache des c gebrauchten, nur bei den Medizinern nicht, da dort allen Fachtermini ein duales c zugrunde liegt und in eingedeutschter Form etsprechend k und z geschrieben wird,
Unter diesem Aspekt eines "deutschen" Latein wird auch die Merkwürdigkeit der englischen und französischen Aussprache des Latein begreifbarer. Es ist eben das Latein im lebenden Gebrauch der letzten Jahhunderte seitens Gebildeter, Wissenschaftler und der Geistlichkeit: Geschrieben war es international gleich, in der Aussprache national.

So eisern uns die Paenultima-Regel für die lateinische Betonung zuständig zu sein scheint, war sie doch nur wenige Jahrunderte im (gehobenen) Latein gültg, Selbst als sie noch galt, kam es zu Änderung an Wörtern, zu Ausfällen. Einschiebungen, Verschmelzungen, zu Änderungen in der Silbenposition, bei der manchmal, eine andere Silbe Paenultima wurde, Aber auch durch eine abnehmende Kennerschaft ergaben sich Missdeutungen der Silbenlänge oder -kürze. Die Längenbetonung trat zugunsten des exspiratorische Akzentes wie in den meisten moderneren Sprachen , so den romantischen und wohl schon dem Vulgärlatein zurück.

Die Betonung im Griechischen

Wenn Sie mit Griechisch nichts am Hut haben, können Sie alles Folgende bis auf die Exkurse weglassen.

Altgriechisch

Griechisch und Latein gehören verschiedenen Betonungsarten an. Man mag das zunächst kaum glauben, weil beiden die gemeinsame (zunächst griechische) Metrik wie auf den Leib geschrieben ist. Latein gehört zu IIIa (s.o.!) und Griechisch zu IIIc. Im Latein richtet sich praktisch jedes Wort nach ein und derselben Betonungsregel, der Paenultimaregel. Im Griechischen gibt es eine Reihe von gezielten Regeln, die aber nicht alle Wörter abdecken. Im Latein kann nur die vor oder die drittletzte Silbe ( -2 oder -3) betont werden,.im Griechischen kann der Akzent auf einer der drei letzten Silben (-1. -2 oder -3) liegen (Dreisilbengesetz), Im Griechischen wird (nicht selten) die letzte Silbe betont, im Latein nicht.
Im Griechischen trägt der Vokal der betonten Silbe ein diakritisches Zeichen (s.u.!). Trotz der griechischen Schrift kann man daher einen griechischen, Text leichter korrekt vorlesen als einen unbekannten lateinischen, weil die Betonung durch den Akzent angezeigt wird,
Die drei Formen des Akzents finden Sie in unserer Ihnen vielleicht bereits bekannten kleinen griechischen Textprobe: kl. griech. Textprobe
(Deutsche Umschrift, halbwegs phonetisch: Kê:ryx engýthen é:lthe phéro:n rhábdon metà chersín, Tyroglýphou huiòs megalé:toros Embasíchytros, angéllo:n polémoio kaké.n phátin, eîpé te toîa : " Ein Herold trat nahe, den Stab in der Hand, Topfkriecher, der Sohn des großherzigen Käsehöhler. Er meldete die schlechte Nachricht des Krieges und sprach folgendes: ")

Den Akût, der einen hohen, hellen Ton bezeichnet, zwölfmal, z.B. in der Mitte der ersten Zeile (phéron) ,
den Gravis, :einen tieferen "schweren", "dunklen" Ton bezeichnend, in jeder Zeile einmal, in der ersten über metà ..., und den Zirkumflex, der einen anfangs steigenden, dann fallenden Ton bezeichet, gut wiedergegeben durch das in früher Zeit verwendete ^, an dessen Stelle später ~ verwendet wurde. Dieses Zeichen finden wir in unserem kleinen Text viermal .Seine Tonalität weist uns auf die musikalischen Betonung des klassischen Gríechisch hin. Dort wurde in erster Linfe durch Veränderung der Tonhöhe betont.
Ob und wieweit dabei auch die Tonstarke verändert wirde, ist nichts sicher bekannt. Den Versuch, den musikalischen Akzent zu imitieren, noch notgedrungen dazu reichlich nach Gutdünken, sollte man besser unterlassen.
Ich bezeichne in den griechischen Beispielen den Zirkumflex durch ^^, wobei der erste Apex vor dem Vokal, bei Dtphtongen vor dem zweiten Vokal, steht (k^ôma fester Schlaf, o^îkos Haus), da ~ sich in meiner Computerschrift nicht über einen Vokal setzen lässt.
Ein Teil der griechischen Betonungsregeln betrifft die Silbennummer, die zu betonen ist -1.-2 oder -3), andere Regeln gelten für die Benutzung der drei Akzentzeichens.
Regeln 1. Ordnung(vgl. IIIc) Sie betreffen die Betonung des Wortes, des Grundwortes, wie es im Wörterbuch steht und als Vokabel gelernt wird, d.h. beim Substantiv, Adjektiv (und Pronomen) den Nominativ Sg., den Intinitiv bzw, die 1.Ps. Sg. Praes, Indik. Akt.(Die meisten griechischen Wörterbücher führen nicht den Infinitiv (Präs. Ind. Akt, auf, sondern die 1.Person. Sg. Praes. Ind. Akt. Statt paideúein erziehen also paideúo ich erziehe).
1) Eine der drei letzten Silben kann betont werden.
2) Die drittletzte Silbe kann nur betont sein, wenn die letzte Silbe kurz ist. Im Latein nimmt dagegen nur die vorletzte Silbe Einfluss auf die Betonung. Dadurch werden einige praktisch gleiche Wörter, wenn auch vielleicht mit unterschiedlicher Endung - im Latein und Griechisch unterschiedlich betont. Das betrifft besonders Eigenamen - denn sie müssen sich dazu ja in beiden Sprachen finden. Im Namen Priâpus des berüchtigten Gatengottes und drastischen Abstrafers der Obstdiebe ist die letzte Silbe kurz, die vorletzte lang und muss im Latein betont werden . Im Griechischen Príapos wird die erste Silbe (1 = -3) betont. Das ist möglich wegen der kurzen letzten Silbe (-1). Príâpos, aber Priâpus)!. Hier nicht, aber in den meisten Fällen werden die Eigennamen griechischer Götter oder Personen im Deutschen wie im Lateinischen betont. Wer das aus Unwissenheit falsch macht, kann zufällig die griechische Betonung treffen und von Kennern dafür wertgeschätzt werden. Odysseus, Perseus, Theseus u.a. werden griechisch auf der letzten Silbe betont, was imn Latein gar nicht geht. Die zahlreichen Männernamen auf -ês wie Aristoteles, Sokrates, Sophokles (hier muta cum liquida!),, worin der letzte Vokal das lange Eta ist, können im Griechischen nach unserer Regel 2 nicht (wie im Lateinischen und Deutschen) auf der drittletzten Silbe betont werden. Die unterschiedliche Betonung findet sich nicht nur bei Eigennamen, wenn gewöhnliche Wörter in beiden Sprachen gleich sind: adamâs, adámâs Stahl.

Regeln 2. Ordnuug (vgl. IIIc) Sie betreffen die Betonungsänderung gebeugter Wörter, der Nomina und Verben, daher manchmal als grammatischer Akzent bezeichnet.
(Die Diphthonge -ai und -oi sind im Plural der Nomina und in gewissen Positionen beim Verbum kurz.)
1) Die Kasusendungen bei den Deklinationen und damit die letzten Silben (-1) sind teils lang, teils kurz. Von den 9 Kasusänderungen der Maskulina auf -os nach der Zweiten oder o-Deklination im Sg. und Pl. sind 4 kurz und 5 lang. Anthrôpos Mensch wird im Nom. Sg. auf der drittletzen Silbe (-3=1) betont. Das ist möglich, weil die letzte Silbe (-1) -os kurz ist. Im Genetiv ist aber -1 lang und der Ton muss daher aus´-3 auf die vorletzte Silbe (-2) übergehen, Beim Deklinieren geht es immer hin und her, während das Lateinische amîcus der Freund bei der entsprechenden 2. lateinischen Deklination nur einmal den Ton vom -i auf das -o zieht, und zwar im Gen. Pl. amicôrum der Freunde.
Hierher gehört auch die Endbetong des Gen. Pl. der 1.Deklination (f.) z.B. kórôn kai korôn der Jünglinge und der Jungfrauen.
Bei den einsilbigen Stämme der 3.Deklination wird im Gen. u. Dativ. die letzte Silbe betont: nýx, nyktòs, nyktì, nýkta, nýktes, nyktôn, nyxí(n),nýktas (die) Nacht, (der) Nacht, ...
Bei der Konjugation geht die Betonung (mit Einschränkungen) so weit wie möglich (auf -3) zurück.

Regeln über die Art des Akzentes (Akzentregeln)
Das diakritische Zeichen ermöglicht zwar die korrekte Aber man muss den Ahzent bei der Beugung selbst setzen und handelt sich dadurch eine neue Fehlermöglichkeit ein.
Und die Akzente bringen eigene Regeln mit, die man lernen muss.
1) Der Gravis steht nur über der letzten Silbe eines Wortes, auf das noch ein weiteres Wort folgt: also nicht unmittelbar vor einem Satzzeichen.
In der ersten Zeile unserer Textprobe ist er daher in chersì(n) durch einen Akut ersetzt. metà chersín. (mit den Händen.)
3) Der Zirkumflex steht nur über langen Silben und nur auf der letzten oder der vorletzten Silbe eines Wortes. Auf der (langen) vorletzten aber nur, wenn die letzte Silbe kurz ist.
Letzte Silben, die lang und betont sind, tragen in Genetiv und Dativ den Zirkumflex.
Zu allen gennanten Regeln gibt es natürlich Ausnahmen,

Nicht alle Wörter tragen einen Akzent Als Atona werden 10 einsilbige Wörter (4 Artikelformen, 3 Präpositonen, 2 Konjunktionen und die Negation) bezeichnet. Sie lehnen sich gleichsam an das folgende (akzenttragende) Wort an. Sie erhalten in besonderen Fällen einen Akzent. (Beispielsweise, wenn sie vor einem anderen artikellosen Wort stehen.) .
Eine zweite Gruppe akzentloser Wörter sind die ein- oder zweisilbigen Enklitika, die sich an ein vorangehendes Wort mit Akzent "anlehnen". Je nach Länge und der betonter Silbe des vorstehenden Stützwortes, kann sich die Stellung des Akzentes ändern. Rückt der Akzent im Wortpaar, das eine Toneinheit bildet, zu weit nach vorn, erhält das Trägerwort zwei Akzente:
Akzente bei Enklitikaeinige Menschen
ein gewisser Sklave

Akzentfreie Wörter kommen nicht selten vor. Selbst in in unserer kleinen Textprobe findet sich ein Beispiel nach Art dieser letzten beiden. Suchen Sie es! Erst beim drittletzten und vorletzten Wort des Textes werden Sie fündig: eîpé te und sprach. Dort steht die Partikel te und. Es entspricht (etwa) dem lat. -que. Aber dieses wird direkt ans Wort angeschlossen (zusammengeschrieben) (s.o!),

Neugriechisch

Die Schrift hat sich in der griechischen Sprachgeschichte am wenigsten verändert, die Ausssprache der Buchstaben dagegen stark. Bei den Vokalen und Diphthongen ist sie stark i-lastig geworden. Drei Vokale und drei Diphthonge werden i gesprochen. An den Morphemen sind auch die Spiritûs, die häkchenartigen Zeichen über dem anlautenden Vokal oder Diphthong (vgl. das Kapitel "Das h im Griechiuschen") und die gerade beschriebenen Betonungzeichen erhalten, Obwohl zwischen den beiden Spiritus sowie bei den drei verschiedenen Akzenten (Akut, Gravis, Zirkumflex) keine Ausspracheunterschiede mehr gemacht werden. Gewiss erschwert dieser an sich lobenswerte Traditionalismus das Schreibenlernen nicht unerheblich. Der Gravis allerdings ist höchsten noch im Druck zu sehen. In der Handschrift ist er durch den Akut ersetzt.
Auch wenn sich die Wortbedeutung nicht selten verändert hat, sind neue Wörter hinzugekommen sind, manche alten verlorengegangen oder beispielsweise verkürzt. Die Akzente stehen gewöhnlich noch über der gleichen Silbe wie im Altgriechischen.. Und diese ist heute noch die betonte. Silbe.
Der musikalische Akzent ist allerdings etwa um die Zeitenwende, also vor 2000 Jahren durch den exspiratorischen verdrängt worden. Davon sind Anfänge schon gut 200 Jahr vorher zu erschließen. Von der dritten Betonungseigenschaft, der Vokallänge, - und gewöhnlich spielen alle drei, wenn auch mit untershiedlichem Anteil bei der Betonung eine Rolle - wird oder wurde (B.Kieckers I, S.124, 1925) gesagt, dass die betonten Silben im Neugriechischen halblang, die unbetonten kurz gespochen werden. In einem neueren neugriechischen Lehrbuch steht entsprechend: "Die Vokale werden in der Regl kurz gesprochen, Nur wenn sie betont sind, werden sie etwas gelängt" (Rytova 1981).Bei der Zweiteilung des Neugriechischen in die Volkssprache und eine antiquierend "zurechtgemachte" Literatursprache, über die an snderer Stelle zu reden sein wird, sind auch diese Dinge im Fluß gewesen.

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Exkurs TON 1: Wie kann man erkennen, wo man unbekannte lateinische Wörter betonen muss!

Betont wird die vorletzte oder die drittletzte Silbe. Das engt die Frage wenigstens ein. Aber das "oder" ist der Knackpunkt! . Man betont die vorletzte Silbe, wenn sie lang ist, sonst die vorletzte. Das scheint eimfach - ist es aber in praxi nur selten. In lateinischen Texten ist die "Quantität" (Länge oder Kürze) der Vokale nicht kenntlich gemacht. Es gibt keine Betonungszeichen.. Einen unbekannten lateinischen Text vorzulesen, ist schwieriger und gefährlicher als einen griechischen, trotz der uns dort weniger vertrautem Schrift. In manchen Fällen kann der Kenner aber die zu betonende Silbe feststellen. Auf alle Fälle jedoch begegnen dem Vorleser Wörter, wo er nur raten oder auf gutes Glück hoffen kann. Dazu bedarf es keines langen Textes. Eine Redewendung, ja ein einzelnes unbekanntes Wort, kann peinlicherweise schief gehen und fällt mehr auf als ein einzelner Lapsus bei einem längeren Text, der an zweifelhaften Stellen mit möglichst nivellierter Betonung vorgelesen wird.
Es ist umstritten, ob man bei itaque und so, daher die erste oder die zweite Silbe betonen soll oder je nach der genaueren Bedeutung die eine oder die andere, Mit geringer Mühe gelingt es aber die Silben nahezu gleich stark exspiratorisch zu betonen. Versuchen Sie es!
Unter Umständen kann eine ganze Gruppe von Nutzern falsch liegen. In der DDR wurde relativ spät die alt überkommmenen Beurkundung venia legendii Erlaubnis zu lesen [Vorlesung zu halten] (venia mit kurzem e) durch facultas docendi Fähigkeit zu lehren ersetzt ) <Anm.3>. Manche betonten facultas auf der ersten, andere (wohl die Minderzahl) auf der zweiten Silbe. Die meisten machten sich darüber keine Gedanken, sprachen, wie es aus ihrem Munde kam.. Anderen wurde es zum Problem. (Ich spreche hier vorwiegend. von Ärzten, nicht von Altphilogen!)
Sie, meine lieben Leser, könnten sofort gültige Auskunft geben: Auf das (kurze) )u der vorletzten Silbe folgen zwei Konsonanten, l und t, also ist sie positionslang und folglich wird sie betont. So einfach ist das, wenn man's weiß"
Stellen wir. einmal alle Hilfsmittel zum Auffinden der Tonsilbe zusammen (so weit sie mir jetzt einfallen! Aufgelistet findet man sie so leicht nirgends.
Der Nichtlateiner sollte das Folgende überspringen und erst bei Regel 7 wieder zu lesen beginnen!

1) Ein- und zweisilbige Wörter sind kein Problem. Die Betonungsalternative tritt nur bei drei- und mehrsilbigen Wörtern auf. In einer Textpröbe fand ich 60 % ein- oder zweisilbige Wörter, also nur bei den restlichen 40% aller Wörter spielt Betonung eine Rolle. Das ist nur eine Stichprobe, kein allgemeingültiger Befund!
2) Habe ich (wie mein Lehrer und meine Klasse) beim Vokabellernen und bei Übungen die Wörter, die meinen Wortschatz bilden, immer mit der richtigen Betonung gelernt und ausgesprochen, dann kann ich meiner Sache bei diesem gelernten Wortbestand einigermaßen sicher sein. Jedoch wird gegen eine derartige Korrektheit meistens verstoßen.
3) Wenn bei einem mindestens dreisiligen Wort die vorletzte Silbe auf zwei Konsonanten endet bzw. von zwei Konsonanten gefolgt ist, trägt diese Silbe den Ton. Diese Konstellation trifft man aber nicht allzu häufig an..Aber das vorher erwähnte Zweifelwort faciltas zeigt, dass das auch bei einem allgemein gebrauchten Wort der Fall sein kann.
4) Ein echter Diphthong längt seine Silbe, Steht er in einer vorletzten Silbe, wird sie betont. Ein vorangehendes e oder i etwa vor a oder o bildet keinen Diphtong, sondern eine eigene Silbe, häufig die vorletzte und diese ist dann kurz, (Vocalis ante vocalem brevis (est Ein Vokal vor einem Volal ist kurz). Diese Regel ist uns bereits im Text des Kapitels Betonung begegnet, Allerdings gibt es von diesr Regel nicht wenige Ausnahmen.
.5) Vor -nf, -ns und -nct sind alle Vokale naturlang. Beispiele: cônsênsus Einverständnis (gleich zweimal -ns! Aber mit einem kurzen Vokal wäre die vorletzte Silbe auch (positiosns)lang. Die Endsilben aller aktiven Praesenspartizipien -ânss, -êns. werden lang gesprochen: amâns liebend), audiêns hörend, Allerdings hat der letzten Silbe keine Auswirkung auf die Betonung. In der vorletzten Silbe steht z.B: -nf bei recônflô ich fache wieder an. -nct steht in der Tonsilbe bei sacrôsânctus hochheilig. Durch die zwei oder drei schließenden Konsonten wären allerdings diese vorletzten Silben auch bei kurzem Vokal positionslang.).
6) Gewöhnlich weiß man, welche Endungen der Deklinationen und Konjunktionen lang bzw. kurz sind. Oft genug hat man Beispielwörter (Paradigmata) in der Schule deklinieren oder konjugieren müssen; Die Infinitivendungen -âre, -êre (bei der ê-Konjugation= und -îre sind lang, nur bei der konsontischen ist -ere Konjugation kurz (habêre haben, aber regere herrschen.). Genauso geht es bei -âmus, -êmus. -îmus, -imus und -âtis ... Im Imperfekt ist die vorletzte Silbe -âbam ... immer lang, hier selbst bei der konson, Konj: regêbam.usw. Die erste Silbe der häufig vorkommenden Endung der 3.Ps.Pl. im Perfekt auf -êrunt ist lang und betont. (laudâvêrunt sie haben geliebt). Bei den Deklinationen sind -ârum, -^^êrum, -ôrum, lang, -ibus kurz usw.
Ein kitzlicher Fall ist die 1. Person Sg. Ind. Akt. des Präsens bei im Infinitiv vier- und mehrsilbiger Verben: Konjugieren Sie mal militâre Soldat sein! Gleich beim ersten Wort milito Ich diene können Sie reinfallen. Wird das erste i oder das zweite i betont? (Bei delecto wäre das keine Frage. Oder?), mîlitô heißt es. Beim Vokabellernen lernt man den Infinitiv, Das ist nur bei -ere / -êre ein Problem. Bei der 1.Ps.Sg.Praes, ist das Verb eine Silbe kürzer, die bisher drittletzte Silbe wird zur tonbestimmenden vorletzten. Wer aber prägt sich die Quantität [Länge oder Kürze] der drittletzten Silbe ein? Wer spricht sie gar in der vorgegebenen Länge?
7) Mancher versucht es im Glauben an sein untrügerisches Sprachgefühl, Darauf ist kein Verlass! In der Mutterspraxhe mag es manchmal durch analoge Fälle angehen, In fremden Sprachen führt es oft grob in die Irre, Wer würde sanctus (s,o.!) mit langem â sprechen? In oleum ist das o kurz, in frûctus ist das u lang, genau umgekehrt wie im Deutschen, In villa rustica ländliches Landhaus sind beide betonten Vokale wider Erwarten lang. Genug!
8) Wenn man genügend Zeit hat, kann man im Wörterbuch nachschlagen. Dort steht über naturlangen Vokalen ein horizontaler Strich, Im Alten Latein und hier in der Computerschrift bei mir ein "Dach" (lateinisch Apex. Gipfel. Kuppe).
Besonders in älteren Lexika sind auch die kurzen Silben markiert und zwar durch ein Häkchen, einen nach oben offenen Halbkreis. (Als alter Mann habe ich oft Schwierikeiten ohne starke Lupe, Strich und Häkchen im Druck zu unterscheiden, Paradoxerweise hab ich es daher leichter, wenn nur die Längen bezeichnet sind.)
Die (reine, wenn der Vokal nicht auch naturlang ist) Positionslänge ist im Wörterbuch nicht bezeichnet und gerade dadurch neben Strich und Häkchen zu erkennen. Wenn aber nur die Längen bezeichnet sind, kann die unbezeichnete Silbe kurz oder positionslang sein. Das muss man auf Grund der hier vorstehend vermittelten Kennnisse dann selbst entscheiden,
Ich habe bereits in jungen Jahren handschriftich.einen umgekehrten Apex (ein kleines v) über den Vokal gesetzt), um eine Positonslänge zu bezeichnen, in ähnlicher Weise wie meine Schulgramatik "Elementa latina". (v "für lange Silben mit kurzem Vokal".) Im Unterschied dazu bezeichnete ich kurze Vokale mit u (nicht mit v)..

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Exkurs TON 2: Die Deutschen im Umgamg mit Silbenlänge und Betonung

Die Deutschen (und sicher auch die derzeitigen Sprecher vieler anderer Sprachen) kümmern sich wenig um die Betonung, verschwenden kein Aufmerksamkeit auf sie. Das betrifft die eigene wie fremde Sprachen. Verstöße gegen Regeln und Üblichkeiten werden nicht wahrgenommen oder als recht belanglos abgetan, Besonders ist das der Fall bei fremden Eigennamen, persönlichen wie geographischen. Das zeigt sich sogar bei den Berufssprechern oder hochgestellten Vielrednern von Radio und Fernsehen, wo jeder Sprecher bei ausländischen Namen unbelehrt und ungerügt über lange Zeit seine eigene Version verwenden kann. Weniger wohl, weil er von ihrer Korrektheit überzeugt ist, als weil er es gar nocht beachtet und handelt wie einer, der gezwiungen ist, ein fremdes Wort vorzulesen - bestenfslls achselzuckend. Er spricht einfach, wie ihm der Schnabet gewachsen ist. Von einem Berufssprecher, sollte man etwas mehr erwarten. Auch deren Redaktionen kümmert es offenbar wenig. Geographische Aussprachewörterbücher werden offenbar selbst in auftretenden Zweifelsfällen nicht benutzt. Einschlägige Dolmetscherbüros und die entsprechenden Lehrstühle an den Universitäten befragt man nicht. In England soll die BBC etwa die Rolle unserer Dudenredakton bei der Sprachüberwachung spielen. Man kann nur hoffen, dass die Situation dort besser und weltläufiger ist als der deutsche Provinzialismus.
Die Nachlässigkeit und Lässigkeit betrifft auch Privatpersonen. Ich kenne Wissenschaftler, die englische, französiche, italienische, spanische und slawische Begriffe und Eigennamenr haarssträubend oder wie deutsche Wörter artikulieren, ohne in Zweifel zu geraten. Über Betonungfehler gehr das weit hinaus, Die Hörer werden oft auch von den fachlichen Inhalten und der Sorgfalt solcher Redner Abstriche machen.
Das falsche Betonen und Aussprehen ist aber nicht nur den einzelnen Sprechern geschuldet. Fehler werden nicht nur ignoriert oder nicht beanstandet, sondern häufig von eine rasch wachsenden Anzahl privater Sprecher nachgeahmt. Oft entsteht eine regelrechte Mode. sei es, dass man sich wie die meisten, die etwas anders machen als bisher, modern und fortschrittlich fühlt, sei es dass man es für korrekter hält. Wenn es fast alle - bis auf ein paar Nörgler und altmodische Besserwisser - so machen, gibt der Duden nach, registriert es erst als Variante ( "auch ...") und erklärt es schließlich zum Standard. So läuft Sprachgeschichte, indem unter dem Druck der Menge ein Verstoß zur Regel wird.
Es gibt einige Vorzugsstellen für die sich ausbreitende Falschbetonung. 1955 wies der Medizinhistoriker J.Steudel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift auf die verbreitete Neigung hin, bei lateinischen Wörtern ein langes -î in der vorletzten Silbe kurz zu sprechen und fälschlich die drittletzte Silbe zu betonen. Das ist ausgesprochen der Fall bei Vâgîna Scheide, Retîna Netzhaut (des Auges), Tinnîtus Klingeln, Ohrgeräusch und Prûrîtus Jucken. (Als deutsche Fremdwörter schreibe ich diese Substantive groß, rot als lateinische Äquivalente der (blauen) deutschen Beteichnungen.) Für eine aggressive Erstsilbenbetonung der Vagina gehen progressive Frauen auf die Barrikade. Auch ich hätte Hemmung vor einem Otorhinolaryngologen (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) korrekt von Tinnitus zu sprechen und durch richtige Aussprache für den Fachmann als ungebildeter Dummkopf zu gelten. Man muss es einfach wissen, weil man es richtig gelernt hat. (In meiner Studentenzeit vor 65 Jahren hatten auch die lehrenden Mediziner viel mehr Schulzeit in die alten Sprachen investiert und sprachen sie korrekter aus. Der Kenner erkennt Tinnitus gleich als Perfektpassivpartizip zu tinnîre klingeln und wird es wie diese immer mit dem lange Stammvokal der i-Konjugation sprechen. (Und Tinnitus "geht" wie alle diese PPPs nach der u- und nicht nach der ö-Deklination. )

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